Zeitungsleute und Polizisten haben eines gemeinsam: Sie recherchieren.

Während erstere ihre Ergebnisse der Öffentlichkeit unterbreiten, sind letztere für Diskretion. Das bringt beide gegeneinander auf. Die journalistische und die kriminalistische Wahrheitssuche dienen unterschiedlichen Zwecken, führen aber die Schnüffler on der zweiten und der vierten Gewalt immer wieder an dieselben Schauplätze. Da stehen sie einan Weg.

Diesem Umstand verdankt der Spürhund von der Presse seinen Rang als Kommissar Ersatz in der Vorabendserie.

Gern stöbert er im Auftrag eines Boulevardblattes, dessen abgefeimte Chefs außer dem Wort "Aufklärung" nur noch ein paar Flüche kennen, in Rot- und Blaulichtbezirken großer, wilder Städte nach Katastrophen mit human touch und macht dem echten Kommissar das Leben schwer. Opfer aber von Erpressung, Verschwörung und anderen Kabalen, denen die Polizei nicht glaubt oder nicht helfen kann und die sich, von öffentlicher Empörung eine Besserung ihrer Lage versprechen, wenden sich schon mal an einen Zeitungsschreiber.

Dann muß der Journalist auch handeln, statt nur zu forschen, manchmal auch knapp neben der Legalität. Wird er bedroht, so können es drei mächtige Figuren sein, die ihm zu schaffen machen: der Gangster, dessen Opfer er beschützt, der Polizist, dessen Ermittlungen er behindert, oder sein Chef, dem die Sache noch nicht heiß genug ist. So ein berufsbedingtes Dauerdilemma schreit nach Umsetzung in eine TV Serie. Wo es denn auch immer wieder landet.

Auch "Cornelius" (Walter Plathe) ist Boulevard Journalist, er bietet Bedrängten seine Hilfe an und wird von ihnen gerufen, gezwiebelt, geleimt. Sein Boß macht, je nach Stand der "Auflage", gute Miene oder Stunk, die Sekretärin mäkelt und schwäbelt, und die junge Assistentin Jacky (Anja Franke) bringt Tempo in die Kiste. Denn Cornelius ist von der eher bedächtigen, ja fast schusseligen Sorte, der bei der Polizei wohl nichts geworden wäre. Er spricht kein Wort zuviel, vergißt Verabredungen und merkt auch nicht blitzartig, wohin der Hase läuft. Seine Stärken sind die Feder und das freundliche Gesicht, dem sich die Armen und Verstoßenen anvertrauen. Und dank Jacky und Berlin, dem gut ausgeleuchteten Schauplatz dieser Serie, ist dennoch meist fast zuviel los.

Man mußte befürchten, daß der Kommissar Ersatz von der Yellow press die Sehnsucht nach den echten Bullen wekken und der Held in der bekannten Klemme zwischen Blattmacher Zynismus und Menschgebliebensein einen bald anöden würde. War aber nicht der Fall, nein. Dieser "Nullnullsieben für Arme" zeigt, daß strapazierte Sujets neuen Pep und sogar Anwartschaft auf Klassizität gewinnen können, wenn man sich ein bißchen Mühe mit den Figuren gibt.