Attentate auf Journalisten in Georgien, Guatemala und Algerien. Verhaftungen in Äthiopien, Albanien, an der Elfenbeinküste, in Kenia und Nigeria. Ausweisungen aus Serbien, Tunesien, Gabun. Terror gegen Zeitungen in Mauretanien und im Sudan. Die Pressefreiheit, eine Errungenschaft der europäischen Aufklärung, ist in der Welt ein rares Rechtsgut. Von 145 Journalisten weiß man, daß sie zur Zeit in Haft sitzen. 77 Reporter wurden 199394 bei ihrer Arbeit getötet, 8 allein in Bosnien Herzegowina. Das ist die Bilanz, die die französische Journalistenorganisation "Reporter sans Frontieres" ("Reporter ohne Grenzen") am 3. Mai, dem "Internationalen Tag der Pressefreiheit", zog.

Die Organisation, 1985 in Frankreich gegründet, recherchiert nur ein Thema: Mord, Zensur und Einschüchterungsversuche gegen Journalisten. Sie unterstützt Familien getöteter und verhafteter Reporter, informiert und protestiert.

Denn ohne diese Journalisten, die Haft, Folter und Tod riskieren für die Freiheit des Wortes, wüßten wir wenig aus Ländern wie Birma, Tibet, China, Iran und vielen anderen.

Im kurdischen Teil der Türkei wurden nach Berichten der IG Medien Journalisten ermordet; in Diyarbakir die Redakteure der kurdennahen Zeitung Özgür Gündem verhaftet; in Ankara der Journalist Orhan Cabuk festgenommen und ins ostanatolische Hazro überstellt, bevor er verhört und gefoltert wurde. In der Nähe der Stadt Suleimanija im kurdischen Nordirak wurde die deutsche Journalistin Lissy Schmidt vor ein paar Wochen von einem Killerkommando erschossen. Und Kurdistan ist nur eine von vielen Gefahrenzonen für Journalisten in der Welt.

"Die Armee will den Terrorismus nicht bekämpfen, weil sie vom Drogenhandel lebt", schrieb der peruanische Journalist Adolfo Isuiza Urquia in einem Brief. Es war sein letzter. Wenig später wurde seine Leiche in einem Fluß gefunden. Gefoltert, erstochen.

In Algerien müssen sich Journalisten verschanzen, weil sie auf Todeslisten islamischer Fundamentalisten stehen. Als im Tschad der dritte Journalist ermordet wurde, schrieb die Zeitung NDjamena Hebdo: "Pressefreiheit bekommt man nicht, man muß sie sich nehmen " Der Tod des 1991 in Bosnien Herzegowina ermordeten Journalisten der Süddeutschen ZeiInitiative ins Leben: "Journalisten helfen Journalisten". Sie kümmert sich um verletzte und emigrierte Kollegen aus Ex Jugoslawien. 1993 konnte "Reporter sans Frontieres" 43 europäische Zeitungen bewegen, die bedrohte Zeitung sammelte Geld für Rundfunkstationen in Bosnien. Nun befindet sich auch eine deutsche Sektion von "Reporter ohne Grenzen" (Fax Nr. 030251 50 28) in Gründung kk