Wenn Geld in Schweinebäuche und Terminkontrakte verwandelt wird, löst sich auch das solideste Kapital nach kurzer Zeit in Luft auf. Die Spur des Ersparten verliert sich hoffnungslos im Dickicht von Auslandskonten und Tochterfirmen. Das Hamburger Amtsgericht hat sich nun mutig vorgenommen, auch mal einen Blick in den Organisationsdschungel der Firma X & Partner zu werfen, allerdings nur um festzustellen, wer dort eine Lieferung Büromaterial erhalten und später die Rechnung nicht bezahlt habe. Ein, vorweg bemerkt, ganz aussichtsloses Unterfangen.

Schon der Lieferant wußte nicht, an wen in der Firma er sich halten sollte. Als er die Rechnung vorlegte, löste sich X & Partner in lauter freie Mitarbeiter auf, die auf eigene Rechnung und Verantwortung arbeiten. Zwei von ihnen, die Herren Jerani M. und Markus R., sollen 1992 für 2000 Mark Büromaterial bestellt haben.

Vor Gericht entsprechen die beiden genau dem Klischee, das man sich von den Finanzakrobaten am Telephon macht: dunkelblaue Anzüge, gedeckte Hemden und leuchtende Krawatten. Jung und erfolgreich soll das aussehen, aber es wirkt wie eine Verkleidung. Zu grell blinken die Messingknöpfe am Blazer, und allzusehr strahlt das Duo. Die Kunden wird es nicht gestört haben, wahrscheinlich haben sie die Milchgesichter nie zu Gesicht bekommen.

Eine besondere Qualifikation hatten die beiden "Anlageberater" natürlich nicht. Jerani M. gibt zu, er habe eigentlich "gar nichts gelernt". Auch für Herrn R. gab es nur "training on the job". Damit habe er es immerhin zum "Regionaldirektor Nord" in der "Niederlassung Elbchaussee" gebracht. Mit der Rechnung habe man nichts zu tun, sind sich die Angeklagten einig. Selbstbewußt verlangen sie zu Beginn der Verhandlung erstmal einen Freispruch, eine Einstellung des Verfahrens käme für sie gar nicht in Betracht, weil sie dann nämlich ihre Anwälte selbst bezahlen müßten.

Herr M. meint treuherzig, er sei nur ein "Angestellter" gewesen und nun solle er Anrufbeantworter und Diktiergeräte für die Firma bezahlen, die ihn gefeuert habe? Er habe die Sachen nur abgeholt, es sei doch normal, daß man den Empfang der Ware quittiere.

Nur, ganz so einfach ist es nicht. Es fängt schon damit an, daß Jerani M. stets mit Kai G. unterschrieben hat. Unter diesem Namen sei er bei der Firma "geführt" worden, erklärt sein Mitangeklagten. Das Gericht staunt, aber Herr R. winkt lässig mit Hand und Goldkettchen ab. Nach dem Ausländergesetz dürfe der Iraner M. nämlich nicht ohne weiteres ein Gewerbe ausüben, "klar", also habe er, "logisch", den Nachnamen seiner Freundin geführt. Zum Glück muß sich das Gericht nicht auch noch Gedanken darüber machen, wie Herr M. die Einkünfte des fiktiven G. wohl versteuert haben könnte. Für den angeblichen Betrug trifft es sich dagegen dumm, daß die ausstehende Rechnung jemand ganz anderes abgezeichnet hat.

Auch Zeugin D., eine Angestellte des Bürobedarfshändlers, kann zunächst nur wenig Licht in das Dunkel bringen. Verschiedene Leute hätten bestellt, andere abgeholt. Bei X & Partner habe es häufig Schwierigkeiten gegeben, einzelne Posten einem Empfänger zuzuordnen. Bei dieser Rechnung sei ihr gesagt worden, es handele sich um "Eigenbedarf" der Angeklagten, die nicht mehr "im Hause" tätig seien. Aus dem Lieferschein geht das nicht hervor, dort steht X & Partner als Empfänger.