Fernsehen! Welcher Bonner Hinterbänkler steht nicht stramm vor Kamera und Mikro, bloß um einmal in die "Tagesschau" zu kommen, welcher Normalbürger wollte nicht endlich einmal seine ganze Trauer über den verstorbenen Hund (Kater, Auto, Regenschirm) in einer Talk-Show abarbeiten?

Doch der Drang von Politikern und Normalbürgern, sich der Menschheit mitzuteilen, steht in umgekehrtem Verhältnis zur Neigung der Zuschauer, gestammelten Schwachsinn zur Kenntnis zu nehmen. Seit vier Jahren schaut der Hamburger Freizeitprofessor Horst Opaschowski den Deutschen im Wohnzimmer über die Schulter. Nur noch 36 Prozent der Westdeutschen und gar nur 30 Prozent der Ostdeutschen schauen auch hin, während die Kiste läuft. Tendenz: weiter fallend. Der TV-Konsument schaltet das Gerät an – und innerlich gleich wieder aus. Zum Glück für die Fernsehsender, daß solche Abschaltquoten nicht tagtäglich gemessen werden. Doch wehe, wenn ihre Werbekunden die Wahrheit erfahren: Wenn die Zuschauer beim Fernsehen nicht gerade bügeln, essen, handarbeiten oder zeitweilig schlafen – dann lesen sie die Zeitung! gf