Von Marion Gräfin Dönhoff

Am Abend des 20. Juli 1944, als einwandfrei erwiesen war, daß Hitler das Attentat überlebt hatte, ließ Generaloberst Fromm, der Befehlshaber des Ersatzheeres, die militärischen Führer des Aufstandes im Hof des Bendlerblocks, dem Sitz des Oberkommandos der Wehrmacht, erschießen. Es waren dies Oberst Graf Stauffenberg, General Olbricht, Oberst Merz von Quirnheim und Oberleutnant von Haeften.

"Sie", so sagte Heinrich Himmler in der Rede, die er am 3. August 1944 vor den in Posen versammelten Gauleitern hielt, "wurden so schnell beseitigt, daß die Herren mitsamt dem Ritterkreuz eingegraben wurden. Sie wurden dann am anderen Tage wieder ausgegraben, und es wurde noch einmal richtig festgestellt, wer es war."

Alle anderen Beteiligten wurden im Lauf der nächsten Monate, manche nach Mißhandlungen und Folterungen, vom Volksgerichtshof abgeurteilt und dann in Plötzensee am Fleischerhaken erhängt. "Ich will, daß sie erhängt werden, aufgehängt wie Schlachtvieh", so lautete der Wunsch des "Führers". Auf seinen Befehl mußten die Filmkameras ohne Unterbrechung surren, damit er sich noch am selben Abend in der Reichskanzlei an dem Schauspiel weiden konnte.

Die Witwen erfuhren den Tod ihrer Männer entweder durch eine amtliche Benachrichtigung, die in fünf Zeilen drei Mitteilungen enthielt: erstens die Tatsache der Verurteilung, zweitens das Datum der bereits vollstreckten Verurteilung, drittens den Satz: "Die Veröffentlichung einer Todesanzeige ist unzulässig." Oder sie erfuhren ihn durch die Kostenrechnung, die ihnen übersandt wurde und die sie zu begleichen hatten. Da hieß es beispielsweise:

Gebühr gem. §§ ... für Todesstrafe 300,-

Postgebühr gem. §§ 72, 1 SGKG 1,84