ZEIT: Vielen gilt Bafög immer noch als die beste aller Studienfinanzierungen. Sie aber wollen es abschaffen. Warum?

Daxner: Weil das Bafög trotz aller früheren Verdienste heutzutage untauglich ist, um die soziale Absicherung von fast zwei Millionen Studenten zu gewährleisten. Gerade das Gerangel in der letzten Zeit hat ja wieder gezeigt, daß es mittlerweile an die Grenzen seiner Leistungsfähigkeit geraten ist. Bafög bewirkt nicht mehr das, was es soll, nämlich die Hochschulen offenzuhalten.

ZEIT: Sie haben mit Ihrem Vorschlag eines Studentengehalts unter Bildungspolitikern von sich reden gemacht. Was hat es damit auf sich? Daxner: Ich plädiere für die völlige Abschaffung von Bafög. Statt dessen sollten alle Studierenden ein elternunabhängiges Gehalt von 800 Mark für die Dauer der Regelstudienzeit plus zwei Jahre erhalten. Dieses Gehalt wird später zinsfrei über einen zehnprozentigen Zuschlag zur jeweiligen Steuerleistung auf Lohn oder Einkommen vollständig zurückgezahlt. Damit unsere Studentinnen und Studenten sich wie Erwachsene in den Hochschulen verhalten können, müssen sie auch als Erwachsene behandelt werden und nicht überwiegend von zu Hause abhängig sein.

ZEIT: Aber da werden auch die Studenten aus begüterten Familien profitieren und diese 800 Mark zusätzlich zu Vaters Scheck einstreichen. Daxner: Das ist doch wieder dieses alte Argument der damaligen Linken. Ich ärgere mich immer darüber und werde dann gleich etwas scharf. Aber gesellschaftliche Umverteilung ist über Stipendiensysteme nun wirklich nicht zu bewerkstelligen, für den Klassenkampf gibt es bessere Mittel. ZEIT: Auch Ihre 800 Mark werden nicht ausreichen, um ein Studium zu finanzieren. Müssen Studenten also weiter jobben und die Studienzeiten dadurch verlängern?

Daxner: Untersuchungen des Hochschul Mormations Systems und des Bayerischen Staatsinstituts für Hochschulforschung belegen, daß Studierende auf alle Fälle heutzutage nebenbei jobben, einfach um mit dem allgemeinen Standard mitzuhalten.

Außerdem besagen diese Untersuchungen, daß die Erwerbstätigkeit innerhalb bestimmter Grenzen das Studium nicht behindert. Diese 800 Mark für alle verbessern die Lebenschancen gegenüber der jetzigen Situation dermaßen, daß ich mich über die Defizite nicht allzusehr gräme. Meinetwegen dynamisiert man den Betrag auch.

ZEIT: Falls sich Ihre Idee durchsetzt: Wie soll die Übergangsfinanzierung aussehen?