Wiederum ein wortreiches Wochenende: Wahlreden, Interviews, Erklärungen, man verliert allmählich die Übersicht. Das Superwahljahr hat begonnen, die Wahlkämpfer sind viel in der Landschaft unterwegs. Oder umgekehrt. Helmut Kohl in Gera: "Die blühenden Landschaften sind unterwegs." Ja, wo laufen sie denn?

Auch der SPD-Vorsitzende Rudolf Scharping formulierte seine Vision, diesmal im Spiegel: "Es ist unsere gemeinsame Überzeugung, daß Reformpolitik mit Blick auf das Jahr 2000 und darüber hinaus das notwendige ökonomische Wachstum mit dem ebenso notwendigen ökologischen Fortschritt untrennbar verbinden muß." Über 2000 hinaus, untrennbar! Beinharte Aussage, oder?

Und immer wieder Roman Herzog. Der Mehrheitskandidat für die Präsidentenwahl äußerte sich mehrmals, wobei er jeweils prinzipielle Einwände gegen die Doppelstaatsbürgerschaft deponierte.

Das wieder irritierte die FDP. Aber nicht so sehr, daß sie den CDU-Mann am 23. Mai nicht mehrheitlich wählen würde. Letzteres hat Klaus Kinkel dem SPD-Kandidaten Johannes Rau vorsorglich schon mitgeteilt. Damit der nicht überrascht ist. Kinkel hat Stil.

Indes gab Herzog in Focus mit Überlegungen zur deutschen "Rechtsdrift" zu denken: "Ich würde erst dann von einem Abdriften nach rechts sprechen, wenn das Freiheitsbedürfnis der Deutschen nachließe. Das sehe ich überhaupt nicht."

Derselbe, eine Antwort später: "Das Problem einer Rechtsdrift besteht" (man müsse das nur "viel genauer analysieren"). Na was denn nun? Ein bißchen .schon? Überhaupt nicht? Oder lieber sowohl als auch?

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