Von Swantje Strieder

Wie viele Einwohner hat Rom? 2775771 vermerkt das Register. Falsch, sagen Tierfreunde, denn es gibt ja nicht nur Römer auf zwei Beinen. Allein auf dem Kapitolshügel, im Kolosseum und in den Kaiserforen sonnen sich unzählige wilde Katzen auf zerborstenen Säulen und Mauervorsprüngen. Mindestens 300 000 Artgenossen spazieren nachts über die Dächer Groß-Roms. Auch Hunde, vor allem blauäugige Huskies und rotbraune Setter, prägen das Straßenbild. "Rom verdankt seine Entstehung einer Wölfin", sagt die grüne Stadträtin Monica Cirinna, "doch die Nachfahren von Romulus und Remus haben bestenfalls ein Nichtverhältnis zu ihren vierbeinigen Mitbewohnern." Schließlich dürfen nicht einmal Blindenhunde Bus und Straßenbahn benutzen. Und bisher, weiß die engagierte Lokalpolitikerin, beschränkte die Stadt ihre tierischen Aktivitäten auf das Desinfizieren der vielen Ruinen mit Pestiziden, zum Schaden von Nistvögeln, Eulen und Fledermäusen.

Daß das Verhältnis des Stadtmenschen zu seiner urbanen Tierwelt tief gestört ist, wird besonders in der Vorstadt offensichtlich. Es gibt zwar die rührenden gattare, ältere Frauen, die hingebungsvoll die wilden Katzen der Nachbarschaft versorgen. Doch viele liebe Mitbürger üben sich lieber im Giftmischen, um Nachbars Mieze mit präparierten Hackfleischbällchen um die Ecke zu bringen, weil die Katzendame den Hof vollpinkelt oder weil die Brunstschreie der liebestollen Kater so unerträglich sind.

Nun ist in vierzig Jahren korrupter Parteienwirtschaft der Christdemokraten und Konsorten die ganze Stadt so auf den Hund gekommen, daß viele Römer sie inzwischen für invivibile, unbewohnbar halten. Daran hat auch Francesco Rutelli, seit November erster grüner Bürgermeister in der 2747jährigen Geschichte der Ewigen Stadt, in seiner noch kurzen Amtszeit wenig ändern können. Bisher hat der Umweltmann sich lediglich durch das Planieren der tiefsten Schlaglöcher auf den Straßen profiliert, die ihn als Mopedfahrer fast täglich aus dem Sattel warfen. Der Verkehr in Rom ist chaotisch wie zuvor und die Luft nicht besser geworden, zumal die rotgrüne Junta das Zentrum auch noch am beschaulichen Sonntag zum Shopping freigegeben hat.

Aber eine Neuerung gibt es doch: das Katzentelephon! Anfang März hat Stadträtin Cirinna das kommunale "Büro für die Rechte der Tiere" aufgemacht. Seither arbeitet die 31jährige Rechtsanwältin nicht nur für die Katz, sondern vor allem an einem neuen Bürgerbewußtsein, um die gestörten Beziehungen von Mensch und Tier zu reparieren.

Rom wäre nicht Rom, wenn die Politikerin nicht mit ganz banalen Schwierigkeiten zu kämpfen hätte. Eine winzige Bodenkammer wurde ihr als Büroraum Zugestanden. "Erst hatte ich nur einen Stuhl und ein Telephon", sagt Frau Cirinna lächelnd, "schauen Sie, jetzt haben wir es schon zu einem Schreibtisch gebracht, aber noch immer gibt es kein Licht."

Das Telephon klingelt unablässig. "Dreißig Anrufe pro Tag, das zeigt, wie die Leute uns brauchen", sagt Cristina, freiwillige Helferin aus dem Tierschutzverband, die ab und an Telephondienst macht. "Nein, das hier ist kein idiotischer Einfall der Grünen", antwortet sie dann freundlich in den Hörer, "echt, wir existieren und wir funktionieren. Das ist doch etwas Neues in der Stadtverwaltung!"