Was ist die Zeit? "Wenn niemand mich fragt, weiß ich es", sagt der heilige Augustinus, "will ich es aber einem Fragenden erklären, so weiß ich es nicht In der modernen Ökonomie versucht man der widerborstigen Zeit mittels ausgefeilter Tricks zu Leibe zu rücken, von der Stechuhr über die Zinseszinsrechnung bis zu kel, mysteriös und schemenhaft.

Über die "Zeitachse", das erleben wir tagtäglich, läßt sich meist erst hinterher etwas Genaues sagen. Dem Ökonomen bleibt nichts als die Gewißheit, daß wir langfristig alle tot sind (John Maynard Keynes) und daß das Leben den bestraft, der zu spät kommt (Michail Gorbatschow), was letztlich auf dasselbe hinausläuft.

So gesehen hat auch der Bundeskanzler irgend etwas mit Augustinus gemein. Viel Harne mußte er schon erdulden, weil er den Ostdeutschen einst "blühende Landschaften" versprach. Dabei ist die Sache doch ganz klar: Die Landschaften sind zwar "unterwegs", wie Kohl in Gera sagte, aber der "Zeitfaktor" hat sich ein wenig verändert. Eben - die Wirtschaft entwickelt sich langfristig, Wahlen werden kurzfristig gewonnen, dazwischen kann einem schon einmal der Zeitfaktor entgleiten pp