Das Geschehen an den Finanzmärkten hat derzeit etwas Rummelplatzartiges. Der Dollar fährt Achterbahn, Amerikaner und Japaner veranstalten handelspolitische Schlammschlachten, und für die Prognose von Bundesbank Beschlüssen geht man am besten zum Wahrsager. Doch die Stimmung ist alles andere als ausgelassen. Die Devisenspekulanten haben sich bereits blutige Nasen geholt, und viele Akteure und Beobachter fühlen sich wie auf einer Geisterbahn, die an jeder Ecke neue unangenehme Überraschungen bereithält.

Derartige Zustände sind allerdings nichts Neues. Wenn jetzt allenthalben von "Schocks" die Rede ist, so darf dies der an den Finanzmärkten weit verbreiteten Neigung zu Übertreibungen und einem relativ kurzen Gedächtnis zugeschrieben werden. Die jüngsten Kurskapriolen des Dollar gegenüber der D Mark beispielsweise nehmen ™™ sich im Vergleich zu den Ausschlägen früherer Jahre recht bescheiden aus. Die Schwankungen der Wechselkurse sind seit dem Zusammenbruch des Festkurssystems von Bretton Woods Anfang der siebziger Jahre nicht größer, sondern kleiner geworden.

Die Ursachen für die gegenwärtige Nervosität sind also weniger in den Fakten als vielmehr in der Psychologie und der Politik zu suchen. Die Regierung in Washington hat den Dollar bewußt schwach geredet, um die Japaner mit ihren hohen Handelsbilanzüberschüssen über den Wechselkurs in die Knie zu zwingen. Dies führte dazu, daß der Kurs des greenback fiel, obwohl er aufgrund des amerikanischen Wirtschaftswachstums eigentlich hätte steigen müssen. Und dies war auch ein Grund, weshalb die Zinserhöhungen in den Vereinigten Staaten den Dollar nicht nach oben hievten. Solange nicht klar zu erkennen war, wie weit Washington die eigene Währung fallen lassen würde, mieden ausländische Investoren aus Angst vor Wechselkursverlusten eine Anlage in Amerika.

Inzwischen scheint aber auch die Regierung Clinton eingesehen zu haben, daß sie mit ihrer Politik auf dem falschen Weg ist. Finanzminister Lloyd Bentsen räumt jetzt ein, daß ein unterbewerteter Dollar keine Vorteile bringt. Gemeinsam mit sechzehn anderen Währungsbehörden, darunter auch die Deutsche Bundesbank, veranstaltete die amerikanische Notenbank Fed in der vergangenen Woche eine großangelegte Stützungsaktion zugunsten des Dollar. Die Intervention lief so perfekt, daß ein bereits vorher abgestimmtes Verhalten unterstellt werden darf. Offenbar haben die beteiligten Notenbanker entgegen ihren Beteuerungen doch bestimmte Zielzonen bei den Wechselkursen im Auge.

Dafür spricht auch die Andeutung von Bundesbank Präsident Hans Tietmeyer, daß ein weiterer Anstieg der D Mark gegenüber dem Dollar die Exportfähigkeit der deutschen Wirtschaft beeinträchtigen würde. Vor Tisch hatte sich das noch ganz anders angehört. Die Frankfurter Währungshüter waren bislang nicht müde geworden, darauf hinzuweisen, daß eine schwächere Mark das Vertrauen in den deutschen Kapitalmarkt gefährden könnte. Der SPD Politiker Uwe Jens wurde im vergangenen Jahr heftig wegen seines Vorschlags attackiert, eine Abwertung der D Mark in Kauf zu nehmen, um die Exporte und damit die Konjunktur ankurbeln zu helfen. Inzwischen scheint die Bundesbank diese Idee nicht mehr als vollkommen absurd zu be""""

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