Von Uwe Jean Heuser

Die Geschichte kommt einem bekannt vor: Amerikaner und Europäer entwickeln ein neues High-Tech-Produkt – und wer beherrscht den Markt? Die Japaner.

Das Objekt des westlichen Neides sind in diesem Fall sogenannte Flachbildschirme. So dünn wie ein Buch, werden sie zur Zeit vor allem in tragbaren Computern genutzt. Die notwendigen Grundstoffe stammen aus deutschen Laboratorien, die ersten Prototypen bauten amerikanische Innovatoren. Aber japanische Konzerne dominieren heute den Weltmarkt für die modernen Schirme: Ihr globaler Anteil liegt zwischen 90 und 95 Prozent.

Nun treten die Vereinigten Staaten an, das Quasimonopol der ostasiatischen Konkurrenz zu brechen. Mit bis zu einer Milliarde Dollar will die Washingtoner Regierung in den kommenden Jahren neue Produktionsstätten und eine Reihe von Entwicklungsprojekten subventionieren, um die heimische Industrie wieder ins Rennen zu bringen. Angesichts der Bedrohung aus Fernost hatten sich die beteiligten Unternehmen schon 1993 im U.S. Display Consortium zusammengeschlossen und um Hilfe aus Washington geworben.

Ihre aggressive Industriepolitik begründet die Regierung vor allem damit, daß neben der privaten Wirtschaft auch das Militär auf die flachen Bildschirme angewiesen sei; in Flugzeugen oder Panzern leisten sie bereits unverzichtbare Dienste. Deshalb hat das Pentagon in den vergangenen Jahren peu à peu schon rund 200 Millionen Dollar in die weitere Entwicklung der Zukunftsschirme gesteckt – ohne großen Erfolg. Nach der Kleckerei soll nun geklotzt werden.

Viel größer als der militärische Bedarf ist dabei die Nachfrage auf dem zivilen Markt; und das wissen auch die Industriepolitiker in Washington. Schon 1992 kamen weltweit fast vier Milliarden Dollar Umsatz zusammen, im Jahr 2000 werden es nach Schätzungen zwanzig Milliarden sein. "Die Flachbildschirmindustrie ist entscheidend für die nationale und wirtschaftliche Sicherheit der Vereinigten Staaten", ließ daher der Industrieverband American Electronics Association verlauten. Wohl ermutigt von dem Erfolg des staatlich geförderten Chip-Konsortiums Sematech, sind Präsident Bill Clinton und seine Berater den Argumenten aus der Wirtschaft gefolgt.

Noch finden sich die modernen Displays vornehmlich in Laptop-Computern und anderen tragbaren Elektronikgeräten. Aber der größte Umsatz erwartet die Technologieführer in den Wohnzimmern. Dort sollen ihre Produkte in Zukunft als Ersatz für die klobigen Röhrenfernseher an der Wand hängen. Mehr noch: Große Flachbildschirme gelten als Schlüssel für die Multimedianetze der Zukunft. Über Kabel und Satellit sollen die Haushalte dann neben Hunderten von Fernsehprogrammen jederzeit Filme, Videospiele und elektronische Zeitungen abrufen können, mit Bildtelephonen kommunizieren, vom Sessel aus über den Schirm einkaufen und die Bankgeschäfte erledigen. Mit herkömmlichen TV-Bildröhren ist das kaum zu machen. Sie flimmern, vor allem Texte und Graphiken lassen sich auf ihnen nur schwer lesen, und ihre bisherige Größe läßt sich kaum noch steigern.