Seine Kollegen wissen nichts Genaues, der Kandidat selbst hüllt sich in Schweigen. Nur außerhalb der Mauern der Colonia-Versicherung ist in der Branche kein Geheimnis mehr, daß Hans Jäger, Vorstandsvorsitzender der Kölner Versicherungsgruppe, demnächst auf den Chefsessel der Volksfürsorge-Versicherungen in Hamburg wechseln wird. Wolfgang Kaske, vor wenigen Jahren noch selbst auf dem Volksfürsorge-Chefsessel und jetzt deren Aufsichtsratsvorsitzender, hatte mit wachsender Ungeduld den eher behutsamen Bemühungen seines Nachfolgers Wilko Börner um Kosteneinsparungen zugeschaut und ihm dann kurzerhand die Tür gewiesen. Börner hatte – nach Kaskes Geschmack – wohl zuviel Rücksicht auf die gewerkschaftlichen Traditionen des Hamburger Unternehmens genommen. Jetzt soll Jäger härtere Saiten aufziehen und die Volksfürsorge-Gruppe nach dem Konzept der Aachener und Münchener Beteiligungs-AG, die inzwischen 75 Prozent des Volksfürsorge-Kapitals hält, auf Wettbewerb trimmen.

Für Karl-Heinz Sünderhaft gilt es, rechtzeitig vorzubeugen. "Wer nicht kämpft, hat verloren", beschreibt der Gesamtbetriebsratsvorsitzende der Vereinigten Papierwerke Schickedanz AG (Tempo, Camelia) die Motivation der Beschäftigten, die "gegen die Zerstückelung eines gesunden Unternehmens" und den "Verlust von Hunderten von Arbeitsplätzen" demonstrieren. Grund für die Aufregung im Frankenland ist eine anstehende Entscheidung der Europäischen Kommission zum geplanten Kauf von VP Schickedanz durch den Markenartikel-Konzern Procter & Gamble (siehe ZEIT Nr. 10/94).

Die "Tempo"-Betriebsräte gewannen in Brüssel den Eindruck, daß der Verkauf an Procter & Gamble (Ariel, Pampers, always ultra) nur genehmigt würde, wenn neben dem Windelgeschäft auch Camelia abgetrennt wird. Dies liefe aber auf die Zerstückelung des Papierunternehmens hinaus, das 1993 mit 38,5 Millionen Mark mehr Gewinn machte als je zuvor.

Ein offener Brief des Gesamtbetriebsrats an Wolfgang Bühler, Vorstandsvorsitzender der Gustav und Grete Schickedanz Holding, die ihre Papiersparte lukrativ abstoßen möchte, brachte keine Entwarnung. Die fränkische Unternehmerdynastie will mit dem Erlös offenbar ihre übrigen Beteiligungen (unter anderem Versandhaus Quelle, Noris-Bank, Patrizier-Bräu) stärken.

Bei Bernard Tapie kommt eine Affäre selten allein. Nicht nur, daß die französischen Fußballoberen den ehemaligen adidas-Besitzer vergangene Woche als Präsident von Olympique Marseille (OM) absetzten, weil der Club ein Spiel gekauft haben soll. Der Verein ist auch praktisch pleite – falls nicht noch ein reicher Retter auftaucht.

Schon heute zahlt OM seine Rechnungen nicht mehr. Und die sind happig: 36 Millionen Mark schuldet der Verein dem Fiskus und den Sozialversicherungen, 39 Millionen den Banken. Außerdem läuft gegen Tapie ein Verfahren wegen Unterschlagung: 23 Millionen verschwanden zwischen 1987 und 1990 aus den Clubkassen, errechneten Untersuchungsrichter.

Einem dürfte die Affäre am wenigsten schaden: Tapie selbst. Seine Popularität im Süden Frankreichs ist enorm. Nachdem er sich der linksbürgerlichen Partei MRG angeschlossen hatte, gewann er bei den Departementswahlen im März seinen Sitz mit einer 70-Prozent-Mehrheit. Bei den Europawahlen darf seine Liste mit fast zehn Prozent rechnen. Tapie, der Teflon-Politiker: Im nächsten Jahr will er Bürgermeister von Marseille werden. Auch Absichten auf ein Präsidentenamt werden ihm ernsthaft unterstellt – nicht bei OM, sondern im Pariser Elysée-Palast.