An einer lustig bemalten Kaffeedose, die sie auffällig unauffällig hinter ihrer Hüfte versteckt, erkenne ich sofort, was mir blüht: Marion sammelt. Für einen Geburtstag, für einen Todestag oder einen Hochzeitstag. Marion ist Sekretärin, und eigentümlicher Weise scheinen überall auf der Welt Sekretärinnen die unangenehme Aufgabe zu haben, Geld einzutreiben, das keiner geben will, dann Geschenke zu kaufen, über die sich niemand so richtig freuen kann, und das alles zu Anlässen, die alle anderen Kollegen garantiert vergessen hätten.

Diesmal sammelt Marion, weil Jörn seinen Zivildienst antritt "Wenn er dann nur noch mit alten Menschen zu tun hat, vermißt er uns doch so " Marion hat deshalb einen launigen Zivi Korb zusammengestellt: Pin up Girls, witzige Photos von der letzten Weihnachtsfeier und Kondome, die heute genauso zu einem spaßigen Geschenk dazugehören wie vor Jahren noch das originelle Stofftier, das Marcel bekam, als er Vater wurde. "Wieviel gibt man denn so?" möchte ich wissen, während ich in meinem Portemonnaie nach Silbergeld suche "So fünf bis zehn Mark", rät Marion, ich stecke einen Zehner in die Kaffeedose. Addiert man diese zehn Mark mit der Summe, die ich in Erinnerungsgeschenke scheidender Vorgesetzter, Geburtstagspräsente geschiedener Kolleginnen und diverse Überraschungen für zeugungsfreudige Büronachbarn investiert habe, kommt man auf einen Betrag, für den man ohne weiteres einen guterhaltenen Kleinwagen kaufen könnte. Rechne ich noch die Summen dazu, die mir als studentischer Einzelhandels Aushilfe für Betriebsjubiläen ungeliebter Abteilungsleiter abgepreßt wurden, könnte ich mir heute einen Neuwagen leisten. Ich fahre immer noch Fahrrad. ders. Es wirH für alle möglichen Leute gesammelt, aber nicht für mich. Letztens zum Beispiel hatte ich einen ziemlich runden Geburtstag. Marions lustige Kaffeedose parkte unberührt neben ihrer Yuccapalme, an der ich mit fünfzehn Mark anläßlich ihres Dreißigsten l>eteiligt hatte. Erst als Steffie für söchs Monate nach Gran Canaria ging, um dort Touristen Zöpfe in die Haare zu flechten, sammelte Marion wieder gegen den Trennungsschmerz. Nicht für meine Vertragsverlängerung, wohl aber für Detlefs krummen Geburtstag.