Von Bernd Loppow

Wohl wenige Franzosen können besser unterscheiden zwischen der Überschallschnellen Concorde, Jumbo-Jets oder neuen Modellen aus der Airbus-Produktion als die Bewohner des Dörfchens Mesnil-Amelot. Direkt vor ihren Augen und Ohren starten und landen Jets aller Art im Minutentakt – Tag und Nacht. Mesnil-Amelot liegt unmittelbar vor den Grenzzäunen des Mammutflughafens Charles de Gaulle (CDG) knapp dreißig Kilometer nordöstlich von Paris. Seit 1974, als sich hier der erste Jumbo-Jet in die Lüfte schwang, leben die Anwohner mit dem Krach der Düsentriebwerke. Und geht es nach den ehrgeizigen Plänen der Flughafenbetreiber, wird das Leben hinter den Schallschutzfenstern kaum ruhiger werden.

Mit Investitionen von umgerechnet drei Milliarden Mark will der französische Staat den Flughafen Charles de Gaulle in den nächsten fünf Jahren zum größten und modernsten Airport Europas aufrüsten. Bisher ist die Heimatbasis der Air France mit mehr als 26 Millionen Passagieren im Jahr die Nummer drei hinter London-Heathrow und dem Frankfurter Rhein-Main-Flughafen – vor Amsterdam-Schiphol.

Seit der Liberalisierung des europäischen Luftverkehrs mit dem Beginn des EU-Binnenmarktes hat auch der internationale Wettbewerb zwischen den Flughäfen zugenommen. Denn immer mehr Airlines – vor allem die amerikanischen – konzentrieren ihre Europaflüge auf wenige Drehkreuze. Von diesen fliegen die Passagiere dann – häufig in Kooperation mit den jeweiligen nationalen Carriern – zu ihrem Ziel weiter.

Gegenüber den Hauptkonkurrenten London, Frankfurt und Amsterdam sieht Jean-Claude Baumgarten, Vizepräsident der Air France, drei entscheidende Vorteile für Charles de Gaulle: "Wir bieten ausreichend freie Start- und Landemöglichkeiten, eine schnelle Abwicklung für die Passagiere, und der Großraum Paris mit seinen über elf Millionen Menschen ist ein riesiges Marktpotential."

Dem Pariser Flughafenunternehmen Aéroports de Paris (ADP), das neben Charles de Gaulle auch den Großflughafen Orly im Süden von Paris und den Militärflugplatz Le Bourget betreibt, bieten sich im Gegensatz beispielsweise zu Frankfurt oder London-Heathrow unvergleichliche Möglichkeiten: Das Areal von Charles de Gaulle umfaßt eine Fläche, die mehr als einem Drittel der Größe von Paris entspricht. Nur ein Teil davon ist bisher verbaut. Das französische Planungsrecht ermöglicht die Durchführung von Investitionen binnen weniger Jahre. Proteste von Flughafenanwohnern und Umweltschützern werden durch Verordnungen des Staats von vornherein verringert. In einer kilometerbreiten Zone rund um den Flughafen dürfen beispielsweise keine hochgeschossigen Wohngebäude errichtet werden.

Schon heute sind die Dimensionen, die Charles de Gaulle im Jahr 2010 haben soll, an einem Modell zu besichtigen. Bis zu achtzig Millionen Passagiere, so die sehr optimistischen Prognosen, könnten hier dann täglich auf fünf Start-und-Lande-Bahnen an- und abfliegen. Allein in den vergangenen Jahren wurden 200 000 Kubikmeter Erde bewegt. Das Kernstück der bisherigen Ausbauten ist der Terminal 2, der rechtzeitig zum zwanzigjährigen Flughafenjubiläum fertiggestellt wurde. Vor allem Interkontinentalreisende und Europaflüge werden an den Fluggastbrücken des Terminals abgefertigt.