Zwei Jahre Studium im Ausland abzufangen. Wer sein Studium abschließt, hat bewiesen, daß er flexibel und belastbar ist. Die Abbrecherquote ist gering, doch das wird kaum honoriert. Die nachlassende Europa Euphorie macht die Bezeichnung Euro zum Ladenhüter, auch wenn die Fachhochschule in einer Broschüre unverdrossen optimistisch für ihren Studiengang wirbt.

Entlassen in die Rezession, erreichen jedoch nur wenige der Studenten das von der Fachhochschule gesteckte Berufsziel: eine Anstellung im mittleren Management mit Aufgaben im europäischen Ausland. Lothar Cerny, der den Studiengang in Köln betreut, weiß von den Problemen seiner Studenten: "In Deutschland wollen die Personalchefs einen Abschluß, der genau auf den Job zugeschnitten ist. Generalistische Studien haben bei uns leider keine Tradition Hinzu kommt, daß neunzig Prozent der Euro Studenten Frauen sind. Frauen aber, so Cerny, täten sich oft schwer, die eigenen Fähigkeiten offensiv anzupreisen. Dazu aber sind die Studentinnen gezwungen, denn aus ihrem Zeugnis als Diplom Übersetzer allein läßt sich ihre besondere Qualifikation nicht direkt ablesen. Doch die Chance, im Gespräch die Personalchefs von ihren im Ausland erworbenen Fähigkeiten zu überzeugen, erhalten die Absolventinnen nur selten. Als Diplom Übersetzeria werden sie häufig schon bei der Durchsicht der Bewerbungsunterlagen aussortiert. Wer es dennoch schafft, in einem Vorstellungsgespräch seine Qualitäten anzupreisen, dem kann es gehen wie einer Absolventin, die zu hören bekam: "Wem Sie so intelligent sind, warum haben Sie dann nicht etwas Vernünftiges studiert "

Der Versuch, die Situation der Studenten zu verbessern und ihnen zu ihrem Abschluß als Übersetzer ein weiteres Diplom für angewandte Sprachen zu verleihen, scheiterte an bürokratischen Schwierigkeiten "Das Ministerium hat uns ein zweites Diplom abgelehnt", bedauert Cerny. In Deutschland müssen Diplome eine Personenform tragen, etwa Diplom Übersetzer, Diplom Ingenieur oder Diplom Betriebswirt. Ein Diplom für ein Fach, in diesem Fall für angewandte Sprachen, ist im Regelwerk nicht vorgesehen.

Hermann Decker, Koordinator am Hochschulzentrum des Arbeitsamtes in Köln, gibt sich zurückhaltend bei einer Bewertung der Berufschancen. Der Studiengang sei noch zu jung. Doch auch er sieht für die Euros wenig Chancen, wenn sie um eine Stelle mit einem Betriebswirt konkurrieren, der während seines Studiums ein Semester im Ausland verbracht hat. Hinzu käme die steigende Bedeutung von Unternehmenskontakten, die bereits während des Studiums geknüpft werden. Dazu aber haben die Kölner Euro Studenten kaum Gelegenheit. Mancher Kommilitone, der im Lande blieb, hat da seinen Arbeitsvertrag schon lange in der Tasche.

Trotz der überschaubaren Absolventenzahlen verfügt die Fachhochschule über keine Informationen, was aus ihren ehemaligen Studenten geworden ist. Dafür haben die ersten vierzehn Kölner Euro Studenten zwei Jahre nach ihrem Abschluß selbst eine ernüchternde Karrierebilanz erstellt: Einer ist arbeitslos, zwei arbeiten freiberuflich, fünf sind überqualifizierte Sekretärinnen oder Sachbearbeiter, zwei haben sich für eine Weiterbildung entschlossen, und nur zwei haben tatsächlich den Sprung in eine höhere Position in der Wirtschaft geschafft. Eine Absolventin leitet die Dependance einer Sprachschule in Duisburg. Ein ehemaliger Student absolviert derzeit ein Trainee Programm bei der Deutschen Bank. Er soll später im Ausland eingesetzt werden. Das aber seien schon die Besten, gibt auch Cerny zu. Davon kann Barbara Halten nur träumen. Vor zwei Jahren hat sie ihr Studium abgeschlossen. Nach über hundert erfolglosen Bewerbungen und zwei befristeten Jobs in Übersetzungsbüros arbeitet sie heute als freie Übersetzerin. Um sich gegen die etablierten Kollegen durchsetzen zu können, muß sie deren Preise erheblich unterbieten. Das tägliche Warten, daß ihr Faxgerät einen neuen Auftrag ausspuckt, ist zermürbend. Sie ist enttäuscht von ihrem Studium "Warum richtet man einen solchen Studiengang ein, wenn es für uns gar keine angemessene Arbeit gibt?" fragt sie.

Für die Kölner Fachhochschule aber liegen die Schwierigkeiten anderswo "Die Probleme liegen am Arbeitsmarkt, das hat nichts mit dem Studiengang als solchem zu tun", ist Cerny überzeugt. Und so plant man in Köln bereits eine Erweiterung des Euro Studiengangs mit der spanischen Universität in Granada, langfristig auch mit Moskau.