Gegen den Willen der FDP kann Roman Herzog nicht Bundespräsident werden. Doch fürs erste hat er die Liberalen verprellt. In aller Öffentlichkeit bezog er Position gegen eine alte Forderung der FDP: die doppelte Staatsbürgerschaft. Zwar steht diese Idee auch bei den Liberalen nur auf dem Papier, zwar gaben sie klein bei, als die Unionsparteien die überfällige Reform des Staatsangehörigkeitsrechts erst einmal vom Tisch wischten. Gleichwohl wurmt es sie, daß nun auch Herzog auf ihren wundgescheuerten Nerven herumtrampelt.

Werden die Liberalen also tatsächlich ernsthaft darüber nachdenken, wem sie in der Bundesversammlung ihre Stimme geben sollen? Auf die Barrikaden müßte sie dabei vor allem ein Herzog-Satz bringen. Wer nicht Deutscher werden wolle, dem solle man sagen: "Wir erwarten von euch die Rückkehr in das Land, das ihr offensichtlich als eure Heimat betrachtet." Das wäre ein glatter Verstoß selbst gegen das bisher schon geltende restriktive Ausländergesetz. Auch mischt sich der Kandidat ganz schön deftig ein in die Parteipolitik, der er sich fernhalten sollte. Aber so gibt er der FDP wenigstens Gelegenheit, am 23. Mai zu zeigen, wie liberal sie wirklich ist. mak