Von Peter Hennicke und Gerhard Scherhor

Als die arabischen Förderländer im Oktober 1973 die Rohölmenge drosselten und bis Ende der siebziger Jahre der Preis pro Faß (à 159 Liter) auf mehr als das Zehnfache stieg, von 2,50 auf 33 Dollar, erfaßte weite Teile der restlichen Welt Panik. Heute hat sich der Preis auf unter 20 Dollar eingependelt, und viele denken: Der Spuk ist vorbei. Doch was der Schock der Verknappung und Preiserhöhung damals bewußtgemacht hat, gilt weiter: Der Lebensstandard des reichen Nordens ist auf der trügerischen Annahme aufgebaut, die größte fossile Energiequelle, das Erdöl, sei zu niedrigen Preisen unbegrenzt verfügbar.

Die Preise waren und sind wieder so niedrig, weil der Wettbewerb der Ölanbieter verhindert, daß die Erschöpfung der Vorräte (Reichweite noch etwa vierzig Jahre) frühzeitig durch einen Preisaufschlag signalisiert wird. Dieses Signal wäre heute doppelt wichtig. Denn nicht nur die Erde, sondern mehr noch der Himmel ist die Grenze: Wenn der von Menschen gemachte Treibhauseffekt nicht dramatisch steigen soll, darf im nächsten Jahrhundert weltweit nur noch etwa ein Drittel der wirtschaftlich gewinnbaren fossilen Energiequellen verbrannt werden. Durch höhere Ölpreise würden die Erschließung erneuerbarer Energien (die Innovation) gefördert und der sparsamere Umgang mit Energie (die Effizienz) angeregt.

Unter dem unmittelbaren Eindruck der Energiekrise, war die Bereitschaft zum Umdenken groß. In der Politik allerdings wurde die Chance nur halbherzig wahrgenommen. Immerhin: Der Energieverbrauch hat nicht mehr wie früher zugenommen, sondern ist ungefähr gleichgeblieben, während das Sozialprodukt weiter stieg. Dadurch hat sich die Produktivität des Energieeinsatzes erhöht, aber nur geringfügig: in zwanzig Jahren um rund ein Drittel.

Das war nicht genug. Der Verbrauch der fossilen Energien hätte drastisch zurückgehen müssen – und können. Die Klima-Enquete-Kommission des Bundestages hat ermittelt: Bis zu 45 Prozent des heutigen Primärenergieverbrauchs können beim Stand der Technik eingespart werden; genug, um zusammen mit der Solarenergie alle Risiken eines zu hohen Energieverbrauchs zu minimieren. Die uns derzeit aufgenötigte Wahl zwischen Pest und Cholera, zwischen dem Treibhauseffekt und der Kernkraft, müssen wir nicht akzeptieren.

Zur Risikominimierung haben sich die Energiepolitiker bisher jedoch nicht entschließen können. Die Bundesregierung hat im Gegenteil untätig zugesehen, als die Energiepreise in den achtziger Jahren wieder sanken; sie hat zuwenig unternommen, um der Öl- und Energieabhängigkeit durch Förderung von Effizienz und Innovation entgegenzuwirken. Dabei ist die größte und risikoärmste Energiequelle noch auf lange Zeit das Energiesparen, der effiziente Umgang mit den vorhandenen Energiequellen. 1980 wurde dies noch heftig bestritten und forciertes Energiesparen als "Kalorienstaat" denunziert. Heute ist unter Experten unstrittig, daß – in technischer Hinsicht – in der Bundesrepublik bis weit ins nächste Jahrhundert der Energieverbrauch trotz Wirtschaftswachstum sinken kann.

Aber noch wird die Energieversorgung von gesetzlichen und institutionellen Regelungen bestimmt, die höhere Effizienz eher behindern.