In Kairo haben die PLO und Israel das Gaza-Jericho-Abkommen unterzeichnet. Eine Verhandlungslösung des Nahost-Konflikts erscheint nach Jahrzehnten endlich möglich. Doch gleichzeitig nehmen die Wirtschaftsprobleme in der arabischen Welt immer mehr zu. Attentate von Fundamentalisten in Ägypten und Algerien sind Ausdruck wachsender sozialer Spannungen.

Frappierend ist vor allem die ökonomische Lücke, die sich zwischen arabischen Ländern einerseits und dem fernen Osten andererseits aufgetan hat. Südkorea, Taiwan, Singapur sind zu neuen Industriestaaten aufgestiegen. Malaysia, Thailand und die Philippinen, Indonesien und die Volksrepublik China drängen nach. Der Unterschied im Entwicklungserfolg zwischen den Ländern des Nahen und Fernen Ostens ist eklatant. Das Pro-Kopf-Einkommen beträgt in Ägypten 630, in Marokko 1040, in Tunesien 1740, in Syrien 1170, in Jemen 520 Dollar. Demgegenüber erreichen Thailand 1840, Südkorea 6790, Hongkong 15 380 und Singapur 15 750 Dollar.

Beispielhaft ist der Vergleich zwischen Korea und Ägypten: 1958 mit Pro-Kopf-Einkommen von 104 beziehungsweise 116 Dollar, beide mit annähernd gleicher Bevölkerungszahl (43 beziehungsweise 57 Millionen), beide Frontstaaten mit kalten und heißen militärischen Phasen. Heute ist Korea mit 6300 Dollar ein Industrieland, das vor Griechenland und Portugal rangiert, während Ägypten weiterhin mit den Problemen eines typischen Entwicklungslandes ringt.

Der gleiche Entwicklungsabstand zwischen dem Nahen und dem Fernen Osten zeigt sich im Bildungsniveau: In Korea sind nur noch vier Prozent der Bevölkerung Analphabeten, Thailand hat sieben Prozent, die Philippinen zehn Prozent. Dagegen stehen Jemen mit 62 Prozent, Ägypten mit 52 Prozent, Marokko mit 51 Prozent, Algerien mit 43 Prozent. Andere soziale Indikatoren zeigen in die gleiche Richtung: die Lebenserwartung, der durchschnittliche Kalorienverbrauch, die Geburten pro Frau (Südkorea 1,8; Jemen 7,4; Syrien 6,2; Algerien 4,9; Ägypten 4,1).

Schon 1930 fragte der libanesische Literat und Politiker Shakib Arsalan: "Weshalb sind die Muslime zurückgeblieben, und warum sind die anderen fortgeschritten?" in einem in Kairo erschienenen Buch mit gleichnamigem Titel. Die anderen: Das war damals der Westen. Heute ist es auch der Ferne Osten. Viele arabische Intellektuelle stellen die bisherigen Entwicklungsstrategien in Frage.

Dies gilt auch für die arabischen Erdölstaaten mit ihrer eher gekauften als technisch-wissenschaftlich erarbeiteten Industrialisierung. So liegt das Pro-Kopf-Einkommen Saudi-Arabiens nur bei der Hälfte des singapurischen, seine Analphabetenrate immer noch bei 38 Prozent.

Die Frage lautet: Woher kommen diese Unterschiede? Und haben sie vielleicht etwas mit.Religion und kultureller Prägung zu tun?