Jetzt wird Bonns Kungelei mit den Fundamentalisten der Regierung im Iran selbst den Kultusministern der Länder zuviel: Auf der Tagung der Kultusministerkonferenz am 5 und 6. Mai in München sind Bundesregierung und Auswärtiges Amt scharf kritisiert worden "Mit großem Befremden" habe das Gremium von "Vereinbarungen über kulturelle Beziehungen zum Iran" gehört. Das "Befremden" erstreckt sich auch auf die Geheimnistuerei der Verhandlungen von Staatssekretär Kastrup mit dem Vize Außenminister des Iran, Vaisi. Auch die Kultusminister haben "lediglich aus den Medien erfahren" können, daß Bonn ein Institut für deutsche Sprache in Teheran errichten will - als Vorläufer eines Goethe Institutes? Vorbereitet werden offenbar auch die Wiederaufnahme der Arbeit des Deutschen Archäologischen Institutes und andere Aktivitäten (Einberufung einer deutsch iranischen Kulturkommission). Dieselbe Bundesregierung, die Politikern der Opposition und Intellektuellen vorwirft, sich zuwenig um die Dissidenten in der DDR gekümmert zu haben - deren Regierung sie doch selber durch Milliardenkredite gestärkt hat , scheut Zusammenarbeit weder mit der chinesischen Regierung, die auf dem Platz des Himmlischen Friedens friedliche Demonstranten von Panzern niederwalzen ließ, noch mit der iranischen Regierung, die "Akte kultureller Barbarei wie das Todesurteil gegen Rushdie unterstützt". Und was ist von einer Regierung zu halten, die sich am letzten Wochenende einfach totstellt, um den Dalai Lama nur ja nicht empfangen zu müssen? Das gerstige und weltliche Oberhaupt der Exiltibeter ist ja auch Friedensnobelpreisträger des Jahres 1989. Armes, klägliches Bonn. Die Kultusminister erinnern jetzt daran, daß die Länder wegen des Todesurteils gegen Rushdie das deutsch iranische Kulturabkommen noch imrher nicht unterzeichnet haben. Sie halten das Vorgehen der Regierung "für wenig geeignet, die Zusammenarbeit zwischen Bund und Ländern auf dem Gebiet der auswärtigen Kulturbeziehungen positiv zu gestalten".

Wieder quillt der Kummerkasten für bedrohtes Kulturgut über, abermals erreicht uns ein Ruf nach Rettung, diesmal aus 38 Männerkehlen. D och obwohl es sich dabei durchweg um Exberufsspldajen handelt, schallt der Ruf "nicht wie Donnerhäll, und keine Trompeten schmettern darein. Das schmeichelt uns süß und lieblich ins Ohr: "Wach auf meins Herzens Schöne!" Das säuselt: "Kein schöner Land" und fragt sanft an: "Wer hat dich du schöner Wald aufgebaut so hoch da droben?" Der vom Untergang bedrohte Männerchor Carl Maria von Weber ist der einzige Berufsmännerchor Deutschlands und hat eine einzigartige deutsch deutsche Geschichte. Einst als Soldatenchor dem ErichWeinert Ensemble der Nationalen Volksarmee angehörig und nach der Wende von der Bundeswehr übernommen, soll er jetzt endgültig abgewickelt werden. Eine weitere Finanzierung über das Haushaltsjahr 1994 hinaus, so verlautet aus dem Verteidigungsministerium, vertrage sich nicht mit dem "Kernaufgaben der militärischen Sicherheitsvorsorge Wie das? Was um alles in der Welt kann schöner für emotionale Sicherheit sorgen als das deutsche Lied? Und wohin dann, rein kernaufgabenmäßig betrachtet, mit der Bundeswehr Bigband und den fünfundzwanzig Bundeswehr Musikcorps? Ist nicht das Singen mindestens so gemeinsinn- und friedensstiftend wie das Trommelrühren und Tubablasen? Sollten nicht alle 370 000 aktiven Soldaten zuzüglich Reserve überhaupt nur noch singen, trommeln, tuten und marschieren? Der Carl Maria von Weber Chor braucht jede Stimme bei seinem letzten Gefecht (Zingster Straße 801101, 13051 Berlin).