Das Fell des Schweines

Die Treuhand plündert weiter, wo sie kann. Selbst vor den Reliquien der DDR machen die Horden der Kommandeuse Breuel nicht halt. Wie bekannt, genoß Genosse Honecker weltweit die Sympathien aller friedliebenden Kräfte. Als Reisekader kam er weit herum und empfing neben besagten Sympathien auch Tausende von Solidaritätsgeschenken. 1987, bei Genosse Honeckers BRD-Besuch, war das nicht anders. Drei Bilder wurden ihm allein im Saarland überreicht, freilich keines von der Bedeutung des Werkes, das Äthiopiens ehemaliger Führer Mengistu spendete und das den Ostdeutschen soviel bedeutet wie den Norwegern Munchs "Schrei": E.H.s Portrait, auf Wildschweinfell gemalt. Momentan hütet es die SED-Nachfolgeorganisation PDS, der wir es (noch zu begehender Verbrechen wegen) ebensowenig überlassen können wie der Treuhand. Schiedsspruch lt. Einigungsvertrag: Die Erben mögen sich melden. Wer benachrichtigt die hohen Tiere in der Saarbrücker Staatskanzlei und das Borstenvieh zu Addis Abeba?

Das Maß des Wählers

Ideen hatte er immer, Singapurs Gründervater und elder statesman Lee Kuan Yew. Schon in den sechziger Jahren sorgte er dafür, daß Graffitisprühen in der Inselrepublik verboten wurde. Wer es doch tut, riskiert Gefängnis, Geldstrafe und Stockhiebe. Wie unlängst der Amerikaner Michael Fay, der einige Autos besprühte und vier Hiebe kassierte. Die autokratischen Herrscher der Inselrepublik meinen es ernst mit der öffentlichen Ordnung. Spucken ist verboten, Kaugummis darf man nicht kauen, Vögel nicht füttern. Als ginge der Staat daran zugrunde. Und nun wieder eine pfiffige Idee von Lee Kuan Yew. Bürger im Alter zwischen 35 und 60 Jahren sollen zwei Wahlstimmen erhalten, weil sie "verantwortungsvoller und vorsichtiger" wählen würden als "ein kapriziöser junger Mann unter Dreißig". Guter Gedanke. Besser noch dieser: wer spuckt – null Wahlstimmen. Wer zehn Jahre kein Kaugummi kaut – drei Wahlstimmen. Wer Vögeln das Sprechen beibringt und Politikern das Denken – eine Wahlstimme.

Das Blatt des Mannes

Georgien, Aserbaidschan, Tadschikistan – wenn es denn eine aufstrebende Industrie in der früheren Sowjetunion gibt, dann die Kriegsbranche. Und so verwundert es kaum, daß der neueste Kassenschlager an Moskauer Zeitungskiosken ein Fachblatt für Söldner ist. Soldat udatschi, die russische Ausgabe des US-Produktes Soldier of fortune. Der Inhalt ist speziell: Stories über Söldner in Vietnam und "Südrhodesien" (besser bekannt als Simbabwe) mischen sich mit Informationen über die weitbesten Schlagringe. "Sucht bei uns kein Rumphilosophieren oder Diskutieren", heißt es im Editorial. "Soldat udatschi wird gelesen von Leuten, die handeln und nicht reden. Das ist es, was echte Männer tun." Und ist es nicht auch das, was echte Demokratie ausmacht?