Die Schlagzeile lautet: "Bei SPD-Sieg Kokain und Heroin erlaubt." So posaunt es die Welt heraus. Im Text freilich liest sich erheblich nuancierter, was der drogenpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Johannes Singer, zum möglichen Strafverzicht für die Einnahme von Drogen in kleinen Mengen gesagt hat: Eine SPD-geführte Bundesregierung werde im Falle eines Wahlsieges eine ähnliche Drogenpolitik betreiben, wie Düsseldorfs Justizminister Krumsiek sie anrege. "Es wird nach dem 16. Oktober sicherlich eine vorsichtige Öffnung der Drogenpolitik im Sinne der Richtlinien aus Nordrhein-Westfalen geben." Vehement, heißt es dann weiter, habe sich Singer gegen eine völlige Freigabe oder Legalisierung ausgesprochen. Es geht hier um die Methode. Die Schlagzeile führt schlicht in die Irre. Die einzig wahre Information ist die, daß mit der Drogenpolitik Wahlkampf gemacht werden soll. Die SPD als Dealer-Partei – nun ja, das ist halt ein bißchen verkürzt, scheint es in der Welt-Redaktion zu heißen, aber so entstehen eben Schlagzeilen.

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Wenn es nur darum ginge, daß die "Freiheit zu schweigen Teil der Redefreiheit ist" – nun, von Herzen gerne möchte man sich dann als Journalist auf Erhard Epplers Seite stellen. Er hat nämlich in einer Kolumne der FAZ die Politiker verteidigt, die Interviewwünsche ablehnen. Und er hat hinzugefügt, Politiker sollten sich auswählen können, wer sie befragt. Das Problem ist aber doch ein ganz anderes: Politiker suchen sich allzuoft – voran in den elektronischen Medien – die gefälligen Frager. Von den Politikern wird sicher zu selten nein gesagt, doch von den Medien in solchen Fällen zu oft auch ja.

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"Jedermann in Italien weiß, daß Lega Nord und Forza Italia großes Interesse an meiner Person haben." Mit diesem Satz wird der Bonner Opernintendant Gian-Carlo del Monaco zitiert, nachdem die italienische Zeitung La Repubblica berichtet hatte, sein Name werde für die Position des künstlerischen Direktors der Mailänder Scala gehandelt. Nun ist die Scala ja sicher der Traum aller Träume, wenn man vom Fach ist. Aber auf das Interesse der Ultrarechten hätte man sich doch auch ein anderes Sätzlein vorstellen können: zum Beispiel, daß man sich den Ruf an die geliebte Scala ausgerechnet von den Neofaschisten nicht herbeigesehnt hat. Der Ton macht die Musik. Aber wem sagt man das?

Gunter Hofmann