Wenn für "Wetten daß" mal jemand gesucht wird, der Städte am Geruch erkennt, melden wir uns sofort. Und gesetzt den Fall, es kämen Paris, Rom, Palma und Venedig vor, hätten wir schon gewonnen. Ganz schlecht wäre es hingegen, ließe man uns London, München oder Düsseldorf erschnüffeln. Da müßten wir nämlich passen, denn diese Städte riechen nach gar nichts.

Ebenso, fast traut man es sich nicht zu sagen, Berlin. Da können die Leute noch so laut von ihrer berühmten Luft singen, die diesen ganz besondren Duft, Duft, Duft haben soll. Für uns steht fest: Berlin duftet überhaupt nicht, außer vielleicht nach Autoabgasen und an manchen Ecken ein bißchen nach Currywurst.

Ähnlich verhält es sich leider mit unserer eigenen Stadt. Hamburg als solches hat keinen Gesamt-Eigengeruch. Lediglich einigen wenigen Plätzen haftet eine besondere Note an. Der Hafengegend etwa, wo dieses typische Gemisch aus Brackwasser, alten Tampen und Dieselöl vorherrscht. Oder Altona mit seinem Gemenge aus Hunderten von Obst- und Gemüsesorten, Schafskäse, Tsatsiki und Tandoori-Huhn. Das wär’s dann aber auch schon.

Wirklich bedauerlich, wo wir Hamburger doch sonst immer so gern die Nase hoch tragen. Jedoch, wie wir soeben erfahren, dürfte es auch duftmäßig bald soweit sein. Dieses verdanken wir einer hiesigen Tageszeitung, welche die wirklich gute Idee hatte, ein Duftwasser für uns kreieren zu lassen. Prima. Wir sind zwar nicht die ersten, deren Hautgout man auf Flaschen gezogen nach Hause tragen kann, weil Rom, Paris und, typisch, Berlin da längst die Nase vorn haben. Aber immerhin. Besser spät als nie, nicht wahr?

Und das schönste: Wir, nämlich "alle Hanseaten", dürfen sogar mitmischen. Bevor wir jedoch zum Telephon eilen, um unseren Senf dazuzugeben, hören wir uns erst mal an, was zwei berühmte "Tagesschau"-Sprecherinnen sich so vorstellen: "Eine frische grüne Note" müsse unser Parfüm besitzen, meint die eine entschieden, weil Hamburg schließlich "die grünste City Deutschlands" sei. Hübsch wäre außerdem ein "Hauch von Nordseebrise und Abenteuer". Eben, schließlich gab’s hier oben mal Piraten, das sollte man schon herausschnüffeln können. Für die "grüne Note" votiert auch die andere Dame, denn: "Hamburg boomt in Grün". Super formuliert, kann man nicht meckern. Und ebenfalls favorisiert: die "Meeresbrise".

Wir wissen zwar jetzt, was Dagmar Berghoff empfiehlt. Doch daran müssen wir uns keineswegs halten. Wir dürfen durchaus unsere eigene Wahl treffen, mit Hilfe der Zeitung, die uns unter der Überschrift "So soll das neue Parfüm riechen" dankenswerterweise eine siebzehn Punkte umfassende Vorschlagsliste der unterschiedlichsten Duftnoten mitliefert. Leider sind wir keine ausgebildeten Drogisten und können daher mit Begriffen wie "fougèreblumig", "fougère-holzig", "citrus-fantasie" und "chypregrün" eher wenig anfangen. Eines jedoch verlangen wir ganz entschieden: "Hamburg" muß so riechen, wie Hamburg eben ist: kühl, hanseatisch, selbstbewußt, aber nicht arrogant und auf gar keinen Fall schwülstig. Sonst gibt’s was auf die Nase.

Brigitte Wolter