Ist die Eifel nicht der Inbegriff von Ödnis, ungemütlichem Wetter und gnadenlos kaltem Westwind? Die Eifel: autobahnarmes Verkehrshindernis auf dem Weg nach West und Süd, Heimat bisweilen verschrobener Menschen, Heimstatt von Mooren und Maaren? Und die Ardennen: rauhe Landschaft, belgische Diaspora. Aber der Schinken. Sonst noch was?

Aber sicher! Die vermeintliche Trübnis stellt sich, wenn engagierte Autoren sie liebevoll und sachlich zu beschreiben wissen, ganz anders dar: farbenfroh, spannend, lohnenswert, sie zu entdekken - auch ohne Schönfärberei.

Der Band "Landschaft ohne Grenzen" ist kein Reiseführer für den schnellen Konsum. Er nennt sich selbst "Kulturführer", der die "Geopoesie" der europäischen "Landschaft des Jahres 1990" beschreibt. Das klingt abschreckend hochgestochen. Doch das Buch ist dank Dutzender kleiner Einzelessays und Hintergrundgeschichten überaus lesenswert und gibt reichlich Anhaltspunkte fiir eigene Erkundungen.

Die vielsprachige Region zwischen Ahr und Mosel, Rur und Our, zwischen Bastogne, Namur, Aachen, Luxemburg und der "holländischen Schweiz" kann mit allzu vielen klassischen Sshenswürdigkeiten nicht dienen. Doch sie weist viele Lokalspezifika auf, typische Lokale Inbegriffen. Naturkundlichem wird ein breiter Raum gegeben. Darum wurden zahlreiche "NaturparkTouren" für Radausflüge und Wanderungen in den Teilregionen ausgearbeitet. Die speziellen Themen: Schnapstour, Römertour, Wassertour, Eurogrenztour. Abgerundet wird der Band durch eine wunderbare Photoserie ("Menschenbilder"). Sie zeigt Bewohner der Region - und das sind bäuerliche Stilleben ganz eigener Art.

Auch ein Ausflug zum Westwall, inzwischen zum Kleinbiotop avanciert, ist lehrreich: Denn das menschenarme Mittelgebirge war militärisch immer bedeutsam. Noch heute kann der Besucher im Freiland Geschichts museum Eifel Ardennen Stacheldrahtreste der Kriegsgefangenenlager sehen. Und Metallreste erinnern an die harten Kämpfe der Ardennenoffensive vom Dezember 1944 oder im Hürtgenwald bei Düren. Auch heute, so belegt das Buch, ist die strategisch wichtige Eifel hochgerüstet. Als ergänzende Lektüre bieten sich die pfiffigen Krimis "Eifel Gold" und "Eifel Blues" von Jacques Berndorf an, in denen die Bundeswehr eine ebenso tragende wie tragisch komische Rolle spielt (Grafit Verlag, je 16 80 Mark). Bernd Hüllender Naturfreunde Internationale (Hsg ); Bachern Verlag, Köln 1993; 350 S, zahlreiche Abb, 39 80 DM