DIE ZEIT: Seit Inkrafttreten des neuen Asylrechts wächst die Zahl der Fälle von Asylsuchenden, die von Pastoren und Kirchengemeinden vor ihrer Abschiebung geschützt werden. Muß dieses "Kirchenasyl" nicht zum Konflikt mit dem Staat führen?

Wolfgang Huber: Die Neuregelung des Asylrechts hat zur Folge, daß Flüchtlinge von Ausweisung oder Abschiebung bedroht sind, die bei der Rückkehr in ihre Heimat um Leib und Leben fürchten müssen. Wo Christen, christliche Gemeinden und Kirchenleitungen mit solchen Fällen konfrontiert werden, haben sie die Pflicht, auf der Grundlage möglichst sorgfältiger Information zugunsten der Betroffenen zu intervenieren. Das "Kirchenasyl" ist ein äußerstes Notmittel einer derartigen Intervention. Dabei ist das Motiv, für die Menschenrechte der Betroffenen einzutreten, eindeutig. Auch Spannungen zwischen Staat und Kirche, die dabei auftreten können, stehen deshalb im Rahmen der gemeinsamen Verpflichtung auf die Menschenrechte.

ZEIT: Unterstützen Sie diese Aktionen?

Huber: Wenn sie gut erwogen und in der Sache begründet sind – ja. Dabei muß klar sein: Aktionen des Kirchenasyls sind nur zeitlich befristet möglich. Und: Wer sich zu solchen Aktionen entscheidet, muß sich der möglichen Konflikte mit der staatlichen Rechtsordnung bewußt sein.

ZEIT: Was heißt zeitlich befristet?

Huber: Das sehe ich zunächst im Blick auf die Betroffenen. Für Asylsuchende ist es gar nicht möglich, sich auf unabsehbare Zeit ohne freie Bewegungsmöglichkeit irgendwo aufzuhalten. Diese Zeit kann man im einzelnen nicht im vorhinein abschätzen. Man muß sie nützen, um die Behörden zu einer genauen Einzelfallprüfung zu bewegen.

ZEIT: Befristung also aus praktischen Gesichtspunkten?