Die verrücktesten Professoren kommen immer noch aus dem britischen Königreich. Redmond O’Hanlon ist so einer. Wie einen Quartalssäufer treibt ihn die Dschungelsucht aus seiner Oxforder Gelehrtenstube an die feuchtheißen Brennpunkte der Welt: in die Urwälder des Amazonas, in das Innere Borneos, in den Kongo. Man könnte meinen, daß der zähe Engländer (geboren 1947 in Dorset) die Altersgrenze für solche Abenteuer zwischen Blutegeln und Kopfjägern überschritten hätte. Doch nicht nur im Tennis, sondern auch bei Dschungeltouren in den Gebirgen Nord-Borneos (98 Prozent Luftfeuchtigkeit, 35 Grad im Schatten) entscheidet die mentale Stärke.

Die erwächst aus drei Quellen. O’Hanlon liest alte Expeditionsberichte – sein wertvollstes Doping. Er läßt sich gute Ratschläge bei der englischen Spezialeinheit für subversive Dschungeloperationen in der Nähe von Hereford geben. Und er nimmt sich vor, ein Buch zu schreiben. Der makabre Humor, mit dem er das tut, wird für Monty Python’s Horror Picture Show fast zur Blamage.

Mit seinen Dschungelbüchern ist O’Hanlon zurecht weltweit berühmt geworden. Romanartig erzählt, erlauben sie uns die gemütliche Lektüre am Kaminfeuer. Das erspart das eigene Reiserisiko und lehrt Überlebensstrategien sozusagen im Trockendock. Uwe Herms

  • Redmond O’Hanlon:

Das Innere von Borneo

Aus dem Englischen von Meinhard Büning

Byblos Verlag, Berlin; 235 Seiten, mit Abb. (s.w.), 38,– DM