Bank und Börse

Von Wolfgang Köhler

Manfred Laux kann zufrieden sein. Jahrelang hatte der Geschäftsführer des Bundesverbands deutscher Investment-Gesellschaften (BVI) mit Nachdruck für die Zulassung von Geldmarktfonds in Deutschland gestritten. Jetzt hat er sein Ziel erreicht, die Geldmarktfonds sind im Kommen. Denn die Regierungskoalition konnte sich im Finanzausschuß des Bundestages mit der Entscheidung durchsetzen, diese neuartige und bisher in Deutschland nicht erlaubte Variante der Investmentfonds mit dem Zweiten Finanzmarktförderungsgesetz zuzulassen.

Auch viele Sparer können sich freuen. Für sie könnten die Geldmarktfonds neben den herkömmlichen Anlageformen zu einer interessanten Bereicherung werden. Denn mit diesem Vehikel können sie erstmals auch kleinere Beträge am Geldmarkt anlegen, und zwar zu Konditionen, die sonst nur den großen Institutionen bei der Anlage von Millionenbeträgen vorbehalten waren. Der entscheidende Vorteil gegenüber Rentenfonds oder einer Direktanlage in festverzinslichen Wertpapieren: Bei extrem kurzfristigen Anlagen am Geldmarkt bestehen keine oder nur verschwindend geringe Kursrisiken im Falle von Zinsänderungen. Damit sind Geldmarktfonds auch für die Anlage von Bargeldreserven mittelständischer Unternehmen und von Freiberuflern äußerst attraktiv.

Überdies sind Einlagen in Geldmarktfonds – wie bei allen anderen Arten von Investmentfonds auch – täglich verfügbar. Bei direkten Termineinlagen bei Banken (Festgelder) dagegen muß der Anleger stets bis zum Fristablauf warten, ehe er wieder über sein Geld verfügen kann. Und der erzielte Zins dürfte bei Geldmarktfonds um einige Zehntel Prozent höher liegen, weil die Fonds mit weit größeren Beträgen als die einzelnen Anleger am Markt sind.

Dafür müssen die Fondskunden die Ankaufspesen für die Fondsanteile in ihrer Kalkulation berücksichtigen. Wenn sich die deutschen Kapitalanlagegesellschaften bei der Gestaltung von Geldmarktfonds die von ihren Luxemburger Tochtergesellschaften offerierten geldmarktnahen Investmentfonds als Beispiel nehmen, dann dürften die Ausgabeaufschläge allerdings gering ausfallen. Im Unterschied zu Aktien- und Rentenfonds, bei denen fünf beziehungsweise drei Prozent Ausgabeaufschlag die Regel sind, liegen diese Spesen bei den schon existierenden Luxemburger geldmarktnahen Fonds in aller Regel nur bei 0,5 bis 1,0 Prozent. Vorstellbar sind auch sogenannte no load funds ohne Ausgabeaufschläge, bei denen die Fondsgesellschaften statt dessen eine etwas höhere Verwaltungskostenpauschale berechnen.

Mit diesen Instrumenten schaffen sich die Banken freilich Konkurrenz im eigenen Hause. In dem Maße, wie traditionelle Sparbuchnutzer und Festgeldkunden künftig auf Geldmarktfonds ausweichen, entgehen den Kreditinstituten die für sie zinsgünstigeren Einlagen. Von dieser Verlagerung dürften nicht nur Spar- und Termineinlagen betroffen werden, sondern auch die unverzinsten Bestände auf laufenden Girokonten, sofern sie nur als Barreserve dienen.