Eigentlich ist er mir gar nicht so unsympathisch – diese Masse Mensch, der gemütlich vertraute Tonfall (ich arbeitete sieben Jahre in der Pfalz), die Schläue, die Liebe zu Wein und Saumagen. Aber er ging mich nichts an. Ich liebte Brandt, mochte Schmidt wegen seiner staatsmännischen Grandezza; Adenauer war mir unheimlich. Aber Kohl – nein, ich hatte keine Jahre mit ihm. Es war auch keine Ära, das Wort ist zuviel der Ehre. Auch war es weder eine schöne noch eine schreckliche Zeit, sondern einfach eine mittlere – mit Ausnahme der Hoch-Zeit um den 3. Oktober 1989, die freilich rasch auch wieder heruntergemittelt wurde. Aber: "Der Mittelweg ist der einzige, der nicht nach Rom führt", sagte Schönberg. Dabei wollte Kohl immer nach Rom. Aber lassen wir’s ihm. Lassen wir ihn. Wenn Scharping kommt, bleibt ja der Tonfall erhalten.

Der Komponist, Musikwissenschaftler und ehemalige (protestantische) Pfarrer Dieter Schnebel, 1930 im südbadischen Lahr geboren, ist Professor an der Berliner Hochschule der Künste

Eine Ära geht zu Ende.

Es war eine schöne Zeit.

Was danach kommt, kann nur schrecklich werden. Es war eine schreckliche Zeit.

Was danach kommt, kann nur besser werden. Eine Umfrage (11)