Der Traum wird wahr: "Mobile Individualität oder auch individuelle Mobilität bei reichlich Luxus", verspricht der braungebrannte Wohnmobilvermieter und "total preisgünstig. Ich verdien’ da nix dran, könn’ Se glauben!"

Platz für sechs Mobilisten ist zwar nicht vorhanden, aber was macht das schon, wir sind ja nur zu zweit in diesem Dreiwochenurlaub. Die Kiste ist nagelneu, hat gerade 800 Kilometer auf dem Zähler, und so rauschen wir mit dem schneeweißen Diesel, der nur acht Liter verbrauchen soll, auf die Autobahn.

Von oben herab gucken wir auf die vollbepackten armen Würstchen auf der anderen Spur, die jetzt bei Regen und Kälte 2000 Kilometer vor sich haben. Wir fahren es doch da viel bequemer in unserem rollenden Heim.

Da das Wohnmobil die Höhen des Bergischen Landes ohnehin nur im zweiten Gang bei Tempo dreißig bezwingt, bleibt Zeit, den Hebel für die Air-condition zu suchen. Wahrscheinlich habe ich ihn einfach nicht gefunden, wie auch auf den folgenden 4000 Kilometern nicht, denn der Wagen wird keinen Grad wärmer, die Lüftung fächelt hochgradig Frische in das werkhallenlaute Cockpit, in dem eine Verständigung nur durch Handzeichen oder Urschreie möglich ist. Na, macht nichts, meine Frau kann wenigstens die Beine hochlegen und sich den Kopfhörer aufsetzen, der am Autoradio angebracht ist.

Weil sie klagt, daß es nur rauscht und scheppert, halte ich an der nächsten Raststätte. Eindeutiger Fall: Das Wohnmobil hat keine Antenne. Mit einem Draht als Ersatz sind wir dann notdürftig auf Empfang. Im Urlaub muß man halt ein bißchen improvisieren, das habe ich schon immer gesagt.

Nach zehn Stunden haben wir bei Vollgas immerhin 400 Kilometer zurückgelegt, bleiben noch viermal soviel. In zwei Tagen werden wir es also wohl nicht schaffen bis nach Marseille, aber die deutsche Landschaft ist ja auch was Schönes.

Merkwürdig nur, daß der Tank so klein ist: Nadel auf Rot. An der Tankstelle erfahre ich, daß der Tank zwar achtzig Liter faßt, aber trotzdem nach 400 Kilometern leer ist.