Toontown ist das imaginäre Hollywood des Trickfilms. Wie uns Spielbergs Film "Roger Rabbit" erzählt, stehen dort Zeichentrickfiguren und Computerwesen vor der Kamera. Ihr Job ist hart: Sie werden mit Dynamit in die Luft gejagt, stürzen in tiefe Canyons und lassen sich von Dampfwalzen überrollen.

Einer der neuen Stars von Toontown ist "Moxy". Er arbeitet offiziell als Hausmeister für das Cartoon Network, den US Kabelsender, der rund um die Uhr Trickfilme ausstrahlt. Bei Probeaufnahmen fiel er leider durch - nicht einmal Fred Feuersteins "Jabba dabba du" brachte er fehlerfrei über die Lippen. Um seinen Idolen wie Bugs Bunny, Daffy Duck und den Feuersteins trotzdem nah sein zu können, nahm er schließlich den Hausmeisterjob beim Fernsehen an. In seiner kleinen Werkstatt im Keller des Cartoon Network hat er einen Piratensender gebastelt, mit dem er sich heimlich ins reguläre Programm einschaltet. So wird er doch noch entdeckt - und zum Thomas Gottschalk des Cartoon Network. Er führt jetzt durch Live Sendungen, plaudert mit echten menschlichen Gästen und sogar mit Zuschauern, die von zu Hause aus anrufen "Hey Moxy, warum ist dein Ohr angebissen?" will eine Anruferin wissen "Das ist mir letzte Woche beim Pearl JamKonzert passiert", gesteht er mit einer Stimme, die klingt, als sei er jetzt schon die dritte Nacht versumpft.

Dies ist die Mischung aus Fernsehwirklichkeit und Cartoonwelt, wie sie der Zuschauer erlebt. Und dies ist die technische Realität:

"Als Cartoon Network wollten wir für unsere Live Sendungen einen Cartoon Moderator haben", sagt Betty Cohen, Vizepräsidentin des Senders, der zu dem Medienimperium des CNNChefs Ted Turner gehört. Doch derartiges war bisher unmöglich. Mit der herkömmlichen Technik mußten Heerscharen von Zeichnern und Trickexperten wochenlang arbeiten, um eine Figur zum Leben zu erwecken. Jede einzelne Bewegungsphase wird im klassischen Animationsfilm mit der Hand gezeichnet und per Trickkamera aufgenommen. Erst im Gehirn des Betrachters werden die Einzelphasen zu einer flüssigen Bewegung.

Auch Computer waren bis vor kurzem nicht in der Lage, Animationen in Echtzeit - also ohne wahrnehmbare Zeitverzögerung - zu berechnen. Jede Einzelphase benötigte mehrere Minuten Berechnungszeit, um an die Bildqualität handgemachter Zeichentricks heranzureichen. Und hinter dem angeblich computeranimierten "Max Headroom" des britischen Channel 4 steckte in Wirklichkeit ein Schauspieler mit einer Latexmaske, dessen Bild nur per Videotechnik verfremdet wurde.

Moxy verdankt seine Existenz indessen einer völlig neuen Animationstechnik, die Performance Puppenspiel als mit den herkömmlichen Trickverfahren gemeinsam. Technische Voraussetzung ist neben anderen Dingen die neue Generation schneller Graphikcomputer, aus denen schon die Dinosaurier von "Jurassic Park" schlüpften. Doch der entscheidende Faktor ist eine SpezialSoftware, die von Brad deGraf bei Colossal Pictures (San Francisco) entwickelt wurde: Sie kann die Bewegungen eines lebendigen Menschen in jene einer dreidimensionalen, computergenerierten Figur umrechnen.

Moxys lebendes Urbild, John Stevenson, trägt zu diesem Zweck einen mit Sensoren bestückten Spezialanzug. Diesesind an den Computer angeschlossen. Wenn er seinen Arm hebt, hochspringt oder sich um die eigene Achse dreht, tut es ihm die Computermarionette auf dem Bildschirm vor ihm nach - ohne Zeitverzögerung, die noch wahrgenommen werden könnte. Stevenson muß nu: aufpassen, mit dem Arm nicht zu nah an sein Gesicht zu kommen: Da seine Nase einfach nicht so weit hervorspringt wie Moxys Hundeschnauze, würde dessen Arm sonst in der Schnauze verschwinden. Ein Techniker regelt Moxys Gesichtszüge, bewegt seine Schlappohren und spielt mit zusätzlichen Spezialeffekten: Er kann ihn zum Beispiel explodieren lassen oder seinen Kopf in die Breite ziehen - typische Cartooneffekte, die mit Handpuppen oder Marionetten unmöglich wären. Der Komiker Bob "Bobcat" Goldthwait stellt seine unnachahmliche, sich unablässig überschlagende Stimme zur Verfügung - ihre Lautstärke und Tonhöhe steuern Moxys Lippenbewegungen "Mit dieser Technik eröffnen sich ganz neue Möglichkeiten", schwärmt Moxys Vater, Stuart Cudlitz, Kreativdirektor von Colossal Pictures: "Moxy kann improvisieren wie ein richtige! Schauspieler "