Das 31. Berliner Theatertreffen endete im Wahnsinn. Erst, mit, Hang Ulrich Beckers Mannheimer Insps eruiif von Wenedikt Jerofejews "Walpurgisnacht", auf hohem Niveau (gelegentlich von inszenatorischehi Anstand angekränkelt). Christopk; Marthalers Hamburger "Fausf Variationen wTem dann vom wirklichen Wahnsinn kaum noch 1 zu unterscheiden. Und das ist das Höchste und war in Berlin die letzte Rettung.

Zu Beginn hatte ein Leitartikel im Tagesspiegel darauf hingewiesen, das Theatertreffen finde wie immer gleichzeitig mit dem "Ausbruch der Kästanienblüte" statt. Von da an durfte man auf vulkanische Energien hoffen - oder wenigstens kriminelle. Nichts davon.

Aus Frankfurt gab es eine brave, solide gearbeitete, bloß etwas überflüssige Anti "Hedda Gabler" des Regisseurs Jürgen Kruse zu sehen. Die Berliner Kritik: "Ein gewisser Unterhaltungswert ist der Aufführung nicht abzusprechen "

Aus Düsseldorf hatte man "Romeo und Julia" eingeladen, inszeniert von der jungen Karin Beier, deren Marktwert sofort in schwindelerregende Höhen schnellte. Zu sehen gab es Sonnenbrillen, Clownsnasen, Augenklappen, zarte Fächer, zu hören heiße Rhythmen. Die Berliner Kritik: "Jugend liebts sportlich "

"Othello", von Michael Jurgons in Schwerin inszeniert, blieb Kabarett. Eine Debüt Arbeit von Karsten Schiffler mit Bochumer Schauspielschülern hieß "Brennende Finsternis" und loderte nicht und war auch nicht finster. Die Berliner Kritik (lobend): "Aufgabe mit Präzision bewältigt " Niemand in Frankfurt, Düsseldorf, Schwerin und Bochum muß sich für diese Aufführungen schämen. Alle erreichen locker das Klassenziel: eine Drei plus bis Drei minus. Schämen muß sich die Jury des Theatertreffens. Sie hat um ein paar Namen mit eingebauter Qualitätsgarantie (Breth, Tabori, Ritter, Rehberg, Voss) anständigen Durchschnitt, solides Mittelmaß und erschütternde Harmlosigkeiten gruppiert und verkauft das Ganze stolz als mildtätiges Werk der Nachwuchsförderung, als den längst fälligen Generationswechsel auf dem Theater.

"Ein leidenschaftliches Bekenntnis zum jungen jährige Auswahl", schwärmt der Veranstalter Torsten Maß. Die wahre Botschaft dieses Theatertreffens lautet: Der Unterhaltungswert der Abonnementvorstellungen im deutschsprachigen Theater ist landauf, landab gesichert. Oder, in den Worten eines Zuschauers vor der Schaubühne am Lehniner Platz: "Auf einem deutschen Theatertreffen sieht man mit einiger Wahrscheinlichkeit deutschsprachiges Theater von einiger Qualität "

Die Jury des Theatertreffens besteht aus Kritikern. Immer böse und kritisch sein macht müde (und unbeliebt). Wer aber die Drei plus zur Bestnote erklärt, findet sich plötzlich von strahlenden Musterschülern umgeben. Im Magazin des Theatertreffens erklärt das Jurymitglied C. Bernd Sucher alle Kritikerkollegen, die sich nicht in "neugieriger Verwunderung" den hilfesuchenden Künstlern fördernd verbinden, zu arroganten professionellen Ignoranten. Er vergißt, daß verlogenes Wohlwollen das Klima schneller vergiftet, als aufrichtige Arroganz es jemals könnte.