Hans Peter J. ist 42 Jahre alt und ein Arbeiter alten Zuschnitts: kantiges Gesicht, kräftige Oberarme, dazu ein zünftiges Karohemd. Ein ganz unauffälliger Mann insgesamt. Auch eine lange Arbeitslosigkeit hebt ihn heutzutage nicht gerade aus der Masse hervor. Aber im Januar dieses Jahres hat er in dem Hochhaus, in dem er lebt, sechsmal hintereinander Feuer gelegt.

Angefangen hat die Brandserie an einem Freitagabend. Nach Dosenbier (eine Palette zu 24 Stück) und Fernsehprogramm ging Hans Peter J. um 23 Uhr noch kurz vor die Wohnungstür. Ohne besondere Absicht, so sagt er dem Harburger Amtsgericht.

Aber dann setzte er mit seinem Feuerzeug den Fußabstreifer von gegenüber in Brand. Offenbar mit Bedacht. Denn zuerst wollte das Ding nur schmoren; es dauerte eine ganze Weile, bis der Kunststoff Feuer fing. Danach hockte sich der Angeklagte wieder auf seine Couch zum Fernsehen. An den Brand vor seiner Tür habe er nicht mehr gedacht, sagt er.

Das wiederholte sich in den folgenden drei Tagen sechsmal vor verschiedenen Wohnungen im Haus, bis Hans Peter J. schließlich auf frischer Tat gestellt wurde.

Vor Gericht will sich der Mann nicht groß rechtfertigen, er hat die Brände gelegt, und damit basta. "Was soll ich dazu sagen, ich hab’ ja alles zugegeben." Jede Einzelheit muß aus dem stummen Klotz herausgefragt werden. Häufig werden ihm die Antworten in den Mund gelegt, er bleibt meist bei einem "Ja, hemm".

Solche Befragungen sind eigentlich nicht erlaubt. Richterin und Anwältin schauen sich hilflos an. Ihre Fragen verschwinden in einem tiefen Loch. Was in dem Mann vorgegangen ist, bleibt unerklärlich, auch er selbst scheint es nicht zu wissen. "Tja, wenn ich wüßte, wie das gekommen ist" ist alles, was er sagen kann, danach herrscht wieder Schweigen.

Selbst als ihm vorgehalten wird, daß in dem siebzehnstöckigen Hochhaus leicht Menschen hätten verbrennen können, sinkt der Angeklagte zwar etwas zusammen, aber innere Reue ist keine zu spüren, ganz fremd und rätselhaft scheinen ihm die eigenen Taten zu sein.