Seit 1965 verbindet Andrea von Knoop ein "inneres Engagement für deutsche Firmen" mit ihrer "Liebe zu Rußland". Damals jobbte sie als Studentin auf der ersten internationalen Industriemesse. Heute leitet die promovierte Historikerin das Delegiertenbüro der deutschen Wirtschaft in Moskau. Mit "nur acht Mann" beackert sie den russischen Markt von Moskau bis Wladiwostok. "In beiderseitigem Interesse" sucht sie in Deutschland Geschäftspartner für "vernünftige" Initiativen aus den russischen Regionen und umgekehrt.

Die elegante Endvierzigerin verfügt über beste Voraussetzungen für diese Aufgabe. Dreizehn Jahre arbeitete sie in den Moskauer Repräsentanzen der Dresdner Bank, der Commerzbank und der Deutschen Bank. 1989 baute sie für die Wirtschaftsberatung Arthur Andersen eine Vertretung auf.

Ihre Ziele hat Frau von Knoop weit gesteckt. Aus dem weitgehend aus öffentlichen Mitteln finanzierten Büro des DIHT soll in nicht allzuferner Zukunft eine deutschrussische Handelskammer werden. Dann müssen Mitgliedsfirmen Beiträge für die zahlreichen Dienstleistungen berappen.

Noch sei die Zeit dafür nicht reif. "Aber es gibt reelle Chancen. Die deutschen Unternehmen haben einen sehr guten Ruf in Rußland – nicht nur wegen ihrer Vorleistungen und ihrer Geduld." Bei den Erkundungsreisen in die Regionen hört Andrea von Knoop immer häufiger: "Die Amerikaner wollen nur den schnellen Dollar. Wir aber müssen zuerst einmal investieren. Für die Schaffung unserer eigenen Marktwirtschaft sind die Deutschen die besseren Partner."

Die deutsche Wirtschaft könnte ihre Position in Rußland noch erheblich ausbauen, glaubt sie. Aber Bonn müsse die Interessen der deutschen Wirtschaft gegenüber der russischen Regierung viel aktiver vertreten.

Bei den bevorstehenden Verhandlungen über das Doppelbesteuerungsabkommen könnte damit ein Anfang gemacht werden. Deutschen Unternehmen drohe ohne Bonner Nachdruck eine abschreckende Steuerlast.

Deutsche Behörden und Banken müßten andererseits ihre Tradition überwinden, Moskauer Funktionäre als Geschäftspartner zu bevorzugen. Sie stärkten damit marktfeindliche Ministerien und Monopole. Die Amerikaner, die dank ihrer eingeschränkten Beziehungen in der Sowjetzeit weniger "Zentralismus" geerbt hätten, sagt Andrea von Knoop, seien im Umgang mit den Regionen freier und schneller.

Trotz aller Zuversicht tritt die Botschafterin der deutschen Wirtschaft dem vordergründigen Optimismus von Jet-set-Beratern und Fototermin-Politikern entgegen. "Ich kann die Leute schließlich nicht betrügen", sagt sie. Die "Leute", das sind Mittelständler, Jungunternehmer und Investoren, die einen Markt suchen. Für sie eröffnet Andrea von Knoop im Herbst in Nowosibirsk ein weiteres Büro. m.hu