Was ist mit Rudolf Scharping los? Alle Welt hält ihn für einen Radsportexperten, da mischt er sich im Fußball ein. Als hätte er nicht schon genug um die Ohren, zum Beispiel schlechter werdende Umfragen. Über sein Schattenkabinett kein Wort, aber daß er, sofern er als Bundeskanzler dazu die Macht hätte, Berti Vogts als Bundestrainer nicht behalten würde, das hat er im Fernsehen soeben mitgeteilt. "Ich kann mir bessere vorstellen", sagte er. Dabei brachte es sein Spezi, Trainer Toppmöller, mit der Frankfurter Eintracht nur zum Herbstmeister. Und er schmäht Vogts, den Sieger von Abu Dhabi. Der Mann hat echt Nerven.

Und was ist, wenn Deutschland im Juli Weltmeister wird? Ganz schön peinlich für Scharping. Vor allem, wenn Helmut Kohl dann, live im TV, den Trainer an die Brust preßt und dröhnt: Einen bessern findst du nit.

Ehrlich gesagt, in der Sache hat Scharping verdammt recht. Inspirierend wirkt Vogts wirklich nicht. Weltmeister müssen die Deutschen wohl trotz dieses Trainers werden. Aber auch die CDU hat in den achtziger Jahren, wie die Forscher herausfanden, trotz Kohl Wahlen gewonnen. Und gerade der lachte zuletzt am besten. wap