Der türkischen Tourismusbranche droht erneut ein Katastrophensommer. Mit einer ungewöhnlichen Kampagne sollen jetzt Türken deutsche Freunde für einen Ferienaufenthalt im Land am Bosporus gewinnen.

Die Leser von neun auch an deutschen Kiosken erhältlichen türkischen Zeitungen wie Milliyet oder Hurriyet machten große Augen. Sie fanden in ihrem Blatt Gutscheine, die ihnen einen Rabatt von zehn Prozent bei deutschen Türkeireiseveranstaltern wie Öger Tours oder Nazar Holiday versprachen, wenn sie in diesem Sommer einen Urlaub zwischen Marmaris und Alanya buchen.

Die Coupon-Aktion ist Ausdruck einer ungewöhnlichen Idee, die vom Essener Zentrum für Türkeistudien ins Leben gerufen wurde. Mit der Kampagne "Ich verbringe meinen Urlaub in der Türkei – kommen Sie mit" soll die schon verkorkst scheinende Saison noch gerettet werden.

Nach den Anschlägen der PKK auf Touristen in der vergangenen Saison und in diesem Frühjahr bleiben in vielen türkischen Urlaubsorten die Betten leer. Vor allem deutsche Touristen nehmen Abstand von einem Türkeiurlaub.

Sinn der Aktion ist es, die knapp zwei Millionen in Deutschland lebenden Türken zu animieren, ihren Jahresurlaub im Heimatland zu verbringen und noch dazu ihre deutschen Freunde, Kollegen und Bekannten mitzubringen. "Mit der Kampagne wollen wir erreichen, daß wieder mehr deutsche Touristen in die Türkei fahren", hofft Öger-Tours-Chef Vural Öger. "Wir müssen endlich wieder zur Normalität zurückkehren."

Die Initiative ist aber auch eine Reaktion auf einen konstant zurückgehenden Ethno-Tourismus. Für immer weniger Türken bedeutet der Jahresurlaub in der Türkei noch eine heilige Pflicht. "Vor allem junge Türken, die in Deutschland aufgewachsen sind", so Faruk Sen, Leiter des Essener Zentrums für Türkeistudien, "bevorzugen Urlaubsziele wie die Kanaren oder Ibiza, wo sie unbeaufsichtigt ihre Ferien genießen können."

Mit der Rabattaktion wollen die Initiatoren ihren Landsleuten auch einen Urlaub in preiswerten Hotels schmackhaft machen. Denn bisher steht im Heimaturlaub der Besuch der Familie mit Abstand an erster Stelle. Türkische Hoteliers wissen: Die zahlreichen leerstehenden Betten können nicht nur mit Ausländern gefüllt werden. Deshalb könnte am Ende auch das Fazit dieser Aktion lauten: Tue Gutes – und verdiene dran. lop