Je länger sich der bosnische Krieg hinzieht, desto hilfloser wirken die westlichen Vorschläge zu seiner Lösung: Jetzt wiederholen sie sich sogar. Die Amerikaner haben sich erneut für Waffenlieferungen an die bosnischen Muslime stark gemacht – ohne jedoch entsprechend zu handeln. Der Senat stimmte zwar einer Aufhebung des Embargos zu, doch soll der Präsident zuvor die zögerlichen UN- und Nato-Partner konsultieren. Dies wird Bill Clinton bestärken, seinen entschiedenen Ja-nein-doch-Kurs in Bosnien fortzusetzen. Frankreich droht derweil einmal mehr mit dem Abzug seiner 6800 Soldaten aus dem ehemaligen Jugoslawien, des stärksten Kontingents der UN-Friedenstruppen. Schon jetzt sollen bis zum Jahresende 2500 Franzosen das Feld räumen, heißt es in Paris. Wenn bis dahin nicht andere Nationen einspringen, sind die humanitären Aufgaben der UN-Mission in Bosnien gefährdet. Letzte Forderung von Präsident Mitterrand: endlich ein Friedensabkommen durchzusetzen.

Gesagt – getan: In Genf stellten der amerikanische und der russische Außenminister gemeinsam mit einigen EU-Kollegen ihren neuesten "Aktionsplan" zu Bosnien vor. Mit rhetorischem Pomp wurden im wesentlichen alte Hüte präsentiert: 1. Die Kriegsparteien sollen eine viermonatige Feuerpause vereinbaren, während deren ihre Truppen entflechtet werden. 2. Muslime und Kroaten sollen 51 Prozent, die Serben 49 Prozent Bosnien-Herzegowinas erhalten. 3. Den Serben wird eine schrittweise Suspendierung der Sanktionen in Aussicht gestellt.

Die Kriegsparteien lehnen diese Vorschläge mit ritualisierter Empörung ab: Die Serben, die 70 Prozent des Landes kontrollieren, wollen den Muslimen und Kroaten nicht 51 Prozent zugestehen. Der bosnische Präsident Izetbegovic findet selbst diesen Anteil noch unerträglich. Die Serben verlangen einen dauerhaften Waffenstillstand, um weiter herumzuverhandeln und doch beim Status quo zu verharren. Die Muslime wollen eine Feuerpause von zwei Monaten, damit die Serben nicht ihre Gebietsgewinne zementieren können.

An einem Verlustfrieden haben die Bosniaken derzeit wenig Interesse. Ihre Armee ist erheblich gestärkt, denn seit dem Frieden mit den Kroaten vom März ist eine aufreibende Front weggefallen. Die schlagkräftigste Einheit der Regierungstruppen, die 7. Brigade, rückt gegen die Serben vor. Der bosnische Ministerpräsident fragte jüngst provozierend, auf welche westlichen Garantien er sich denn bei einem Friedensvertrag verlassen könnte. Haris Silajdžić ließ die Antwort offen, doch jeder im Raum begriff die Anspielung: Die beste Garantie sind die eigenen Gewehre. M. T.