Roman Herzog: Nach außen

Kaum war in Magdeburg wieder Ruhe eingekehrt, die Negerjagd abgeblasen, halali, und die verhafteten ca. 49 "Skinhead-Buben" (M. Walser) wieder laufengelassen – was wohl die sächsisch-anhaltinische Art ist (wie linke Trillerpfeifer niederzuknüppeln die bayerische; so ergänzen sich die landsmannschaftlichen Traditionen in Deutschland aufs schönste) –, kaum also war das klitzekleine Himmelfahrtspogrom zu einem vorläufigen Abschluß gelangt, meldete sich unser zünftiger künftiger Bundespräsident, Bundesverfassungsgerichtspräsident Roman Herzog, zu Wort: Was in M. geschehen sei, sprach der Prof. Dr. iur., habe "eine entsetzliche Wirkung nach außen, auch in Staaten, die uns sehr wohlgesonnen sind".

Nun, irgend etwas mußte er ja sagen, nach seinen so doll "mißverstandenen" Sätzen zum deutschen Einbürgerungs- und Gastrecht, und so sagte er eben, was alle seinesgleichen sagen, schon gesagt haben, zu Hünxe, Hoyerswerda etc.: daß solche Sachen nach außen, im Ausland also, keinen guten Eindruck machen.

Eine immer wieder von neuem bedenkenswerte Einsicht. Menschenjagd im Inland schadet dem Ansehen im Ausland, mangelndes Ansehen im Ausland, Abneigung gar, gefährdet den Export. Was den Export gefährdet, gefährdet den Wirtschaftsstandort Deutsche Bank, und was den Wirtschaftsstandort Deutsche Bank gefährdet, gefährdet Arbeitsplätze. Wer aber Arbeitsplätze gefährdet, schürt Rechtsradikalismus; wie eben alles so zusammenhängt – da haben Herzog und die anderen (von Helmut Schmidt bis Günther Beckstein) schon recht.

Andererseits, und das ist die schlichte Rückseite dieses zutiefst staatsmännischen Arguments, andererseits: Was uns selbst betrifft, uns hier, so mehr im Inland, uns Deutsche, uns stört so etwas wohl nicht so sehr. Wir selber sind das ja gewöhnt, wir selber sind da nicht so streng. Ein bißchen Ausländer jagen, Behinderte quälen, Synagogen anzünden, Friedhöfe verwüsten – das ist gewissermaßen-sozusagen alter deutscher Brauch, das gehört zur Folklore. Und so wie uns niemals der Gedanke käme, unseren Schwarzwälder und Sauerländer Volkstanzgruppen oder gar unseren Thüringer Krippenschnitzern und Spreewälder Gurkenzüchtern ihr Treiben zu verbieten, so würde es uns selber wahrscheinlich von allein niemals einfallen, unsere munteren kleinen Nazispielscharen einfach einzusperren. Wenn – ja, wenn dieses vermaledeite Ausland nicht wäre, dieses dumme Ausland...

Da heißt es vorsichtig sein.

Oder sollten wir Herrn Herzog (et al.) schon wieder mißverstanden haben?