Nun wird es witzig - und dazu gescheit. Arno Widmann, seltener 68er des ersten tez Kollektivs, kehrt nach vier Jahren Vogue und Wohlleben in die Kreuzberger Redaktion der Tageszeitung zurück: als Chefredakteur. Was hätte er sonst schon groß werden können: Literaturchef bei der Frankalles "vom Nachttisch geräumt". Aber was wird jetzt erst aus ihm? "Ein dicker Katalysator", behauptet er selbst. Abwiegelei! Der jugendliche Heinz Erhardt im roten Seidenhemd (letztes Abschiedsgeschenk der tez Redaktion) - nichts als Tarnung. Arno Widmann, unberechenbar, tabulos, und garantiert ideologiefrei, hat Schuhgröße 46, alle Zähne und badet eiskalt "Mich dürfen alle duzen", sagt er. Aber sich dann bitte nicht wundern. Die taz könnte wieder bekommen, was sie nie haben wollte: einen Chef. Na dann - wie lautete noch Widmanns Schlagzeile, die 1979 die Redaktion in Aufruhr brachte - "Titten raus und Stimmung". Im englischen Birmingham wird vor dem Arbeitsgericht ein kurioser Fall verhandelt. Eine Sozialarbeiterin wirft ihrem Chef "sexuelle Belästigung" vor: Sie fühlte sich belästigt, weil er sich weigerte, mit ihr zu schlafen. Das Urteil steht noch aus.

In China - Bevölkerung 1 2 Milliarden - haben im vergangenen Jahr neun Millionen Paare geheiratet. Im gleichen Zeitraum ließen sich 909000 Paare scheiden - dreimal mehr als 1990. Weitere 500000 Scheidungsverfahren wurden eingeleitet. Die Ursache? Höhere Einkommen als Ergebnis der Wirtschaftsreformen gestatten größere Beweglichkeit. Die höhere Scheidungsziffer wird auch die Geburtenrate ansteigen lassen: Zweitverehelichten wird ein Kind gestattet, wenn einer der Partner kinderlos ist.

Neue Regierung, neue Hoffnung - auch in den Zuchthäusern. Nelson Mandela denkt über eine Amnestie nach. Niemand kann besser nachfühlen, wie es langjährigen Gefangenen ergeht. Ein Gleichaltriger, der sogar den Kerkerrekord des ANC Führers (1963 1990) gebrochen hat, scheint Mandela besonders am Herzen zu liegen: der 76jährige Dimitrios Tsafendas; er sitzt seit nunmehr 28 Jahren im Gefängnis. Tsafendas hat 1966 den südafrikanischen Präsidenten Hendrik Verwoerd im Parlament zu Kapstadt niedergestochen. Der Häftling, damals Parlamentsbote, leidet heute an Schizophrenie. Jahrelang wurde er mißhandelt. Seine Zelle lag neben jener der Todeskandidaten. Täglich hörte er sie schreien. Jetzt soll er erlöst, werden und seine letzten Jahre in der Psychiatrie verbringen dürfen.