Im Frühjahr wenden sich zumindest der jungen Leute Gedanken zur Liebe hin oder zu fortgeschritteneren Tätigkeiten. Es mag sein, daß wärmere Tage und singende Vögel die Liebesorgane in anderen Ländern erregen. Hierzulande müssen wir bald den Ablauf der schönsten Zeit betrauern, der Spargelsaison.

Ach, der Spargel von 94, so wird man sich eines Tages mit einem Seufzer erinnern. Spargelsalat, Spargelsuppe, Spargel natühr, Spargel chef, Spargel quattro stagioni. Egal, ob weiß oder grün, es betören die langen, schlanken Schönheiten unsere Sinne, es bohren sich die Stangen in unser Herz. Aber während wir liebevoll ihre Haut geritzt, sie in heißem Wasser gebadet, sie mit Butter, Öl, Saucen gestreichelt haben – haben wir irgendwann nach ihren Gefühlen gefragt? Haben wir den geringsten Versuch unternommen, ihnen zu sagen, daß wir sie für mehr als nur für ihren leckeren und zarten Körper lieben?

Nein, wir sind des Spargelsexismus schuldig. Ehrlich gesagt: Wir waren brutal. Wir haben ihre nackten Körper ausgebeutet und Gewalt gegen Spargel in Bild und Text unterstützt, ausgegeben als "Kochrezepte" in Magazinen für Voyeure. Bestimmt auch haben ein paar unempfindliche Supermarktmitarbeiter die zarten jungen Triebe roh neben ihre breiteren, härteren und haltbareren Verwandten, die Zucchini, gelegt. Es ist die Frage, ob wir nächstes Jahr überhaupt noch die Chance erhalten, alles besser zu machen.

Man brauchte also dringend einen Pflanzentherapeuten. Die Weltwoche in Zürich, so sah es aus, hatte einen solchen aufgetrieben. Rudolf Fritschi, Vizepräsident des Schweizerischen Bundes der Pflanzenpsychologen, bestätigt in einem langen Interview die schlimmsten Ängste. Pflanzen, die in freier Natur leben, und die geliebten Zimmerpflanzen litten oft an den gleichen Krankheiten. Fritschi zählt auf: "Phobien und Depressionen, Konkurrenzstreß, Minderwertigkeitskomplexe..." Kein Wunder, daß die Spargel ihre Köpfchen so selten aus der Erde stecken. Aber Psychotherapie für jeden einzelnen Spargel kostet natürlich eine Menge. Und auch die effizientere Gruppentherapie, versichert Fritschi, sei keine Patentlösung. Damit "erzielt man manchmal das Gegenteil und versetzt die Pflanzen in kollektive Hysterie. Schon als Student in Amerika habe ich ein hysterisches Rapsfeld erlebt – etwas Schlimmeres habe ich seither nicht mehr gesehen."

Soll man überhaupt noch Grünzeug essen? Wie hält es der Pflanzentherapeut? "Bis vor kurzem, als ich nur Zimmerpflanzen therapierte, war es für mich kein Problem. Seitdem aber Obst und Gemüse zu meinen Kunden gehören, fällt es mir immer schwerer, diesen Patienten-Kannibalismus zu betreiben. Deshalb habe ich fast völlig auf unpflanzliche Kost umgestellt. Also auch als Antivegetarier kann man bestens überleben."

Ist also alles gut? Nichts ist gut. Vereinspräsident Fritschi hat nicht überlebt, Eine Woche später schon ließ ihn die Weltwoche sterben. Bei dem Artikel habe es sich um einen Scherz, "eine Parodie gehandelt. "Bisher hätten wir ihn sechsmal an renommierte Zeitungen verkaufen können."

Sogar im freien Staat Kalifornien ist’Antivegetariertum politically correct geworden. Die Bildungsbehörden dort haben zwei Kurzgeschichten der Pulitzerpreisträgerin Alice Walker ("Die Farbe Lila") aus einer Englischprüfung an High-Schools entfernt. Die Geschichte "Am I Blue?" galt als anstößig, da anti-meateating gegen den Genuß von Fleisch gerichtet und damit provegetarisch sei. Das andere Werk namens "Roselily" verschwand wegen des Protests konservativer Kreise, die es für "antireligiös" hielten. Es ist abzusehen, daß dieser Staat bald alle Literatur, kurz oder lang, verbieten wird mit der Begründung, daß sie "Antirealität" ist.

Reisehinweis für Terroristen: Um auf dem Flughafen die peniblen Kontrollen der Sicherheitskräfte zu vermeiden, ist es ratsam, kein Terroristen-Logo auf dem Hemd zu tragen. Ein siebzehnjähriges Früchtchen aus Augsburg hat vorgemacht, wie man es nicht tun soll: Sein Rucksack hat ihm am Münchner Flughafen eine Strafanzeige eingetragen. "RAF" stand darauf geschrieben. Die Beamten lasen "Rote Armee Fraktion". Das Greenhorn hatte Glück: Es war gerade aus England gekommen, und bei geschickter Argumentation wird ein gütiger Staatsanwalt "RAF" womöglich als "Royal Air Force" mißdeuten. Wenn man hingegen "IRA" auf dem T-Shirt trägt, "Hamas" auf der Mütze, "PKK" unter der Sohle: Dann gibt es kein Entrinnen mehr. Terroristen, aufgepaßt!