Von Peter Freyberg

Der Durchbruch ist geschafft: Jahrzehntelang galten die Konditionen deutscher Kreditinstitute im Wertpapiergeschäft als Tabuthema. Allenfalls Großkunden mit sieben- bis achtstelligen Vermögenswerten hatten Verhandlungsspielraum bei den Gebühren. Seit dem 16. Mai können Anleger bei der Direkt Anlage Bank GmbH, einer Tochter der Bayerischen Hypotheken- und Wechselbank, Wertpapiere zu Dumpingkonditionen ordern: Durchschnittlich fünfzig Prozent Rabatt werden auf die üblichen Kauf- und Verkaufsspesen eingeräumt.

Rund 10 000 Kunden mit 35 000 Wertpapiertransaktionen pro Jahr will die weißblaue Gesellschaft – die vom Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen eine Vollbanklizenz erhalten hat – in der Startphase mit ihren siebzig Mitarbeitern betreuen, darunter neben Privatanlegern auch Vermögensverwalter und kleinere Institute, die sich keine eigene Abwicklungsabteilung für das Wertpapiergeschäft leisten können. Zur Angebotspalette zählen neben in- und ausländischen Aktien, Rentenwerten und den hauseigenen Investmentfonds auch – man höre und staune – die Zertifikate anderer Fondsanbieter, speziell ausländischer Kapitalanlagegesellschaften.

In den Vereinigten Staaten, aber auch in Großbritannien sind Discount-Broker längst eine selbstverständliche Einrichtung in der Finanzlandschaft. Namen wie Charles Schwab oder Fidelity in den Vereinigten Staaten oder SharLink in Großbritannien sind auch Kleinanlegern geläufig. In Deutschland kam die Branche bisher nicht so recht vom Fleck: Zwar bieten einige Finanzvermittler einen entsprechenden Service, jedoch werden sie – trotz vielfach einwandfreiem Leumund – nur allzugerne in die Schublade der "Abzocker" geschoben, deren wichtigster Geschäftszweck der Kundenbetrug ist.

Erste Ansätze für Preisnachlässe im Gebührendschungel durch namhafte Anbieter brachten verschiedene, vornehmlich ausländische Investmentfonds: Anleger, die etwa den Managern des Pioneer-Fonds die Einzahlung größerer Beträge avisieren, können mit Nachlässen von oftmals mehr als der Hälfte auf den ansonsten üblichen Ausgabeaufschlag von 8,5 Prozent rechnen.

Bei den Großbanken war das Gebührenthema hingegen bisher ebenso tabu wie bei den Genossenschaftsbanken oder den Sparkassen. Als "mutigen Schritt" bezeichnen denn auch die meisten Mitbewerber die Aktivitäten der Hypo-Bank, die nach eigenem Bekunden erst Ende 1993 konkretere Formen angenommen haben. Der neue Discount-Broker wandelt auf einem sehr engen Pfad: Einerseits darf und will die neue Tochtergesellschaft das eigene Haus keinesfalls wegen hoher Gebühren an den Pranger stellen oder aber Kunden in nennenswertem Umfang abwerben, andererseits werden die niedrigeren Kommissionen sicherlich ein bedeutendes Werbeargument sein.

Zielgruppe der Direkt Anlage Bank sind vorrangig Investoren, die über ausreichend eigene Erfahrungen im Wertpapiergeschäft verfügen und sich bereits hinlänglich aus den Medien über die verschiedenen Anlagemöglichkeiten informiert haben. Denn Beratungsservice können die Kunden – die bei der Discount-Tochter auch dann ein eigenes Konto eröffnen müssen, wenn sie längst Kunde der weißblauen Muttergesellschaft sind – keinesfalls erwarten: Alle Aufträge werden ausschließlich per Telephon angenommen, eine Beratung oder gar eine Warnung vor möglicherweise dubiosen Papieren gibt es grundsätzlich nicht.