Von Gunhild Lütge

Der Kunde staunte nicht schlecht. Auf seine Frage nach den neuen, modernen Handys reagierte der Verkäufer mit einer Gegenfrage: "Wieviel wollen Sie denn anlegen? Ich habe Geräte von 0 bis 1800 Mark im Programm."

Der Mobilfunk gedeiht prächtig. Von dieser Woche an wird ein weiteres Unternehmen noch mehr Schwung ins Geschäft bringen: E-plus, ein internationales Industriekonsortium unter der Führung von Thyssen und Veba. Rund vier Milliarden Mark wollen die Investoren in ein drittes Funktelephonnetz stecken.

Derweil treibt der boomende Markt aber auch so manche Blüte. Von den imponierenden Wachstumsraten profitieren derzeit nur wenige Anbieter in der Branche. Viele schreiben sogar Verluste. Und auch so mancher Kunde fühlt sich bereits als Opfer der so verführerischen Lockangebote.

Die turbulente und gleichwohl sagenhafte Erfolgsgeschichte des Mobilfunks mit seinen kleinen Geräten, die länderweite Kommunikation ohne Steckdose möglich machen, bringt inzwischen gleich ganz Europa wieder Ruhm und Ehre ein. Selbst in den Vereinigten Staaten blickt man bewundernd gen Europa. "Bei der Suche nach moderner Technik müssen wir uns neuerdings wieder auf dem alten Kontinent umsehen", erklärt das amerikanische Wirtschaftsmagazin BusinessWeek in seiner jüngsten Ausgabe seinen Lesern. Und Andrew Sukawaty, der Chef der großen Telephongesellschaft US West fürchtet schon: "Europa wird uns im Nebel zurücklassen."

Zwar ist die Zahl der Mobilfunkteilnehmer in den Vereinigten Staaten mit rund fünfzehn Millionen noch fast doppelt so hoch wie in den Ländern jenseits des Atlantiks. Bei der jüngsten Generation aber, den digitalen Systemen, haben die Europäer die technologische Führung übernommen. Mit ihrem gemeinsamen Standard, kurz GSM genannt, gelang ihnen ein wahrer Coup. Erstmals ist es mittlerweile möglich, mit einem mobilen Gerät in fast ganz Europa zu telephonieren und angerufen zu werden. Sowohl die Zulieferer für die Netze als auch die Hersteller der Apparate richten sich nämlich nach gemeinsamen technischen Regeln.

Das war nicht immer so. Zuvor glich Europa – wie heute noch die Vereinigten Staaten – einem Flickenteppich. Wer mit seinem deutschen Mobilfunkgerät nach Frankreich fuhr, war dort von der schnurlosen Kommunikation abgeschnitten.