Der Name ist so vertraut! Auch wir hatten ja einen Präsidenten Herzog – bis zum letzten Jahr war Chaim Herzog Israels Staatsoberhaupt. Doch abgesehen von diesem ersten vertrauten Eindruck wissen wir nichts über den Präsidenten Deutschlands. Seine Nominierung blieb fast ohne Reaktionen in Israel.

Für uns war die Rede seines Vorgängers Richard von Weizsäcker am 8. Mai 1985 ein Wunder – und Höhepunkt deutsch-israelischer Beziehungen: Zum ersten Mal hatte ein deutscher Präsident sich und sein Land zu dessen Geschichte, seiner Erinnerung und Verantwortung verpflichtend bekannt. Dadurch wurde er zum Symbol, zu einer moralischen Instanz; die Beziehungen zwischen Deutschland und Israel wurden dadurch wieder möglich und wünschenswert, auf allen Ebenen, auch den emotionalen.

Jetzt verabschiedet sich von Weizsäcker still und leise von der politischen Bühne, seine Mission hat er erfolgreich beendet. Abgelöst wird er von einem bayerischen Fragezeichen: Wir kennen seine Mitbewerber, Johannes Rau und Hildegard Hamm-Brücher, sehr gut und schätzen sie als persönliche Freunde Israels. Herzog ist bislang ein Fremder mit einem vertrauten Namen. Staatsoberhaupt einer problematischen Supermacht in Europa, Tausende Kilometer entfernt vom Unruheherd Naher Osten. Willkommen, Herr Präsident! Unsere Wege verliefen in den letzten Jahren unterschiedlich – jedes Land hat mit genügend eigenen Problemen zu kämpfen, und diese relative Trennung könnte uns gut bekommen. Unser Präsident Herzog und Ihr Richard von Weizsäcker konnten noch persönliche Erinnerungen über den Zweiten Weltkrieg austauschen – mit Soldaten, die sich gegenseitig bekämpften, dann Kollegen. Nun werden sich unser Präsident Weizman und Ihr Herzog begegnen können – so hoffe ich – als freundlich gesinnte Fremde, jeder seiner eigenen politischen Landschaft und Umgebung verpflichtet und gleichzeitig Zeugen der Gegenwart – eine Phase politischer, kultureller und wirtschaftlicher Beziehungen zwischen Deutschland und Israel, wie sie in diesem Umfang nie zuvor bestanden.

Kommentator der israelischen Tageszeitung Yedioth Ahronoth