Von Martin Kempe

Noch kann Erwin Sagrauske beim Rundgang durch den zukünftigen Firmensitz nicht viel mehr vorzeigen als ein paar leere Zimmer, ein paar Meßgeräte, einige schäbige Möbelstücke. Aber in ein paar Wochen, so hofft der fünfzig Jahre alte Diplomingenieur, kann die leerstehende Baracke in der Landsberger Straße im Osten Berlins Büros und Werkstätten der Park Umweltprojekte GmbH aufnehmen. Dann haben die beiden Geschäftsführer Erwin Sagrauske und Renate Lochow einen großen Schritt auf ihrem steinigen Weg in die Selbständigkeit geschafft. Viele kleinere haben sie schon hinter sich.

Wenn alles gutgeht, werden Lochow und Sagrauske in ihrer Firma einmal rund zwanzig hochqualifizierte Angestellte mit der Installation von Solaranlagen, von automatischen Steuerungsanlagen für Kleinklärwerke, mit Projektierungs- und Vermessungsarbeiten im Umweltschutz beschäftigen. Aber das ist noch ferne Zukunft. Vorerst ist die Park Umwelt GmbH noch ein Betrieb der Arbeitsförderung, dem ein großer Teil der Lohnkosten vom Arbeitsamt und vom Berliner Senat abgenommen wird, allerdings entsprechend den Förderrichtlinien mit abnehmender Tendenz: Nach drei Jahren muß der Betrieb auf eigenen Beinen laufen oder Konkurs anmelden.

Sagrauske macht sich keine übertriebenen Hoffnungen. Auch er kennt die Statistiken, wonach nur rund fünfzehn Prozent aller Ausgründungen aus Beschäftigungsgesellschaften am Markt überleben. Die Kunden kommen nicht von selbst, die Produktivität seines Betriebes liegt noch weit hinter der Konkurrenz zurück. Und wie bei den meisten Ausgründungsprojekten in den neuen Ländern ist die Kapitaldecke eigentlich viel zu dünn, um die Aufbauschwierigkeiten zu überwinden.

Noch könnte die Umweltfirma also nicht aus eigener Kraft überleben. Dennoch spricht einiges dafür, daß sie es bald doch schaffen könnte: Sie betätigt sich auf einem wachsenden Markt mit qualifizierten, intelligenten Leistungsangeboten, mit jedem ausgeführten Auftrag steigen professionelles Niveau und Kundennähe. Und vor allem ist der Betrieb nicht zu groß für eine erfolgreiche Ausgründung. All dies mag die Finanzexperten von der Berliner Bürgschaftsbank bewogen haben, den Existenzgründern bei ihrem größten Problem unter die Arme zu greifen, dem Kapitalmangel.

"Neue Arbeitsplätze", sagt Marlene Kück, Geschäftssführerin der Berliner Bürgschaftsbank, "entstehen fast ausschließlich in Kleinbetrieben mit bis zu fünfzig Beschäftigten." Aber gerade diese haben bei den Geschäftsbanken oft schlechte Karten. Da geht es jungen westdeutschen Existenzgründern wie dem Diplomingenieur Andreas Rödel und dem Diplomkaufmann Uwe Brodtmann, die in der Westberliner Huttenstraße in ihrer Firma Progeo gerade neue Büros bezogen haben, kaum anders als den ausgründungswilligen Ostberliner Arbeitsförderbetrieben. Die Banken scheuen das Risiko, wenn weder Grundstücke noch Gebäude noch Anlagevermögen als Sicherheit geboten werden können.

Die gute Produktidee allein reißt die Banker ebensowenig vom Hocker wie der offenkundige gesellschaftliche Nutzen. Rödel und Brodtmann haben den "Geologger" entwickelt, ein vollautomatisches, flächendeckendes Überwachungssystem gegen Leckagen von Deponie-Abdichtungen, mit dessen Hilfe der Grundwasserschutz in den Müllkippen entscheidend verbessert werden könnte. Die smarten Westler haben zwar den Sprung in die Selbständigkeit schon gewagt und beschäftigen inzwischen elf festangestellte und drei freie Mitarbeiter. Und strengere Umweltrichtlinien schaffen für ihr Produkt einen aussichtsreichen Markt. Aber auch sie haben die gefährliche Durststrecke noch nicht überwunden und erwirtschaften noch keine Gewinne.