Die Spaltung Deutschlands begann nicht an einem Maioder Oktobermorgen des Jahres 1949, begann nicht in der Nacht des 20. Juni 1948, als das Schicksal der deutschen Reichsmark besiegelt wurde wie am 8. Mai 1945 das Schicksal des Deutschen Reiches. Bereits 1946 bereiteten sich die emigrierten deutschen Ökonomen Colm und Goldsmith sowie der amerikanische Bankier Dodges in den USA auf die Währungsreform in Western Germany vor. Im Seplember 1947 beschlossen die Westalliierten, dem Kriegskompagnon Sowjetunion den Laufpaß zu geben und die Währungsreform in den Westzonen in Gang zu bringen Überrumpelt war die Ostzone, die drei Tage später die Währungsumstellung einleitete und mangels neuer Geldscheine die alten Reichsbanknoten mit kleinen Wertaufklebern versah.

Wie Geld Freundschaften und Verwandtschaften in Feindschaften ummünzt, wie es Geister scheidet, Kassen Klasse Gesellschaften gründet, Staaten spaltet, daraus will Michael North kein Kapital schlagen. Für die Folgen vorhandenen oder fehlenden Geldes fühlt er sich nicht zuständig. North geht es um das Geld an sich. Das große Geld wird er mit seinem Buch "Das Geld und seine Geschichte" gewiß nicht machen. Der Kieler Wirtschaftshistoriker ist ein penibler Pfennigfuchser. Genau bringt er auf die Habenseite, was das Geld im Gesellschafts- und Geschäftsleben ausmacht. In kleinen Beiträgen häuft er an, was sich zur Geschichte des Geldes, zum Anteil des Geldes an der Geschichte seit Mitte des 12. Jahrhunderts summieren läßt. Im Mittelalter, erfahren die durch die 89er Revolutionen reichlich gebeutelten Europäer, überzogen italienische Kaufleute den Kontinent mit der "kommerziellen Revolution". Das Wander Geschäftsgebaren wurde zugunsten fester Handelshäuser aufgegeben. Aus einmaligen Geschäftsbeziehungen wurden Geschäftspartnerschaften - bis der Tod sie schied "Eine genaue Buchführung wurde unabdingbar", sagt der Autor, und der Wechsel zum bewährten Zahlungsmittel der Geld Geschäftswelt.

Wer von der etwas versteht, den wirds erregen, in die Geld Wechsel Fälle vergangener Jahrhunderte eingeweiht zu werden. Wem die ganze Geldgewalt zutiefst zuwider ist, erfreut vielleicht die Nüchternheit des Autors. Der trägt die Geschichte des Geldes auf ein langfristig verzinsliches publizistisches Konto. Vorerst ist mit dem Buch, wenn überhaupt, nur auf den geistigen Gewinn des Lesers zu spekulieren.

C H. Beck, München 1994; 271 S, 48- DM