ZEIT: Herr Minister Töpfer, treten Sie in den nächsten Tagen zurück?

Töpfer: Warum denn das? Ganz sicher nicht.

ZEIT: Sie haben soeben ein wichtiges Amt bei den Vereinten Nationen übernommen: Sie sind zum Vorsitzenden der Kommission für nachhaltige Entwicklung, kurz CSD, gewählt worden. Läßt sich diese Mammut-Aufgabe von Bonn aus so nebenher bewältigen?

Töpfer: Das ist ein Ehrenamt. Und ich kann es sehr gut verbinden mit dem Amt als Umweltminister der Bundesrepublik Deutschland. Aber natürlich erfordert es viel Konzentration, Koordinierung und gute Mitarbeiter.

ZEIT: Umwelt- und Entwicklungsgruppen aus vielen Ländern sind da ganz anderer Meinung. Sie fürchten, daß die Arbeit der Kommission im Sande verlaufen könnte, wenn Sie sich jetzt nicht mit voller Kraft der neuen Herausforderung stellen.

Töpfer: Es besteht eindeutig die Gefahr, daß die Ergebnisse von Rio verlorengehen. Es gibt auf allen Seiten die Sorge, die Kommission für nachhaltige Entwicklung sei nicht in der Lage, den Ansatz und Auftrag von Rio voranzubringen. Viele, besonders in den Entwicklungsländern, sind davon überzeugt, die CSD habe im ersten Jahr zu wenig inhaltlich zustande gebracht.

ZEIT: Der Vorsitzende der Vollversammlung der Vereinten Nationen meint sogar, die Beschlüsse von Rio und die dort beschlossene Partnerschaft zwischen Nord und Süd seien längst vergessen.