Einschläge 16.-22. Juli 1994

Wer sich für astronomische Beobachtungen interessiert, hat seinen Sommerurlaub wohl schon längst geplant. Denn schließlich kann sich kein teleskopbewehrtes Auge das Spektakel entgehen lassen, das vom 16. bis 22. Juli stattfindet: Der Komet Shoemaker-Levy, der momentan auf den Jupiter zurast, wird mit millionenfacher Atombombenwucht auf dem größten Planeten des Sonnensystems einschlagen. Ein Ereignis, das etwa alle zweihundert Jahre einmal eintritt und dessen Dramatik kaum besser hätte geplant werden können. Der Jupiter-Crash sei das "am meisten beachtete Ereignis in der Geschichte der modernen Astronomie", schwärmte der Planetenforscher Clark Chapman, und längst hat sich die Shoemaker-Levy-Euphorie von den Wissenschaftlern auf Amateurastronomen, Rüstungsforscher und nicht zuletzt Journalisten übertragen.

Allein die Europäische Südsternwarte (ESO) hat für den himmlischen Zusammenstoß über vierzig Nächte Beobachtungszeit reserviert, mehr, als jemals zuvor in der ESO-Geschichte für ein einzelnes kosmisches Ereignis. In Nordamerika, wo die Sicht auf Jupiter zu diesem Zeitpunkt ungünstig ist, wird es wohl zu einem wahren Astronomen-Exodus kommen. Manche wollen sich gar mit tragbaren Teleskopen auf der Südhalbkugel niederlassen, um eine bessere Sicht auf das Spektakel zu erhaschen. Waffenexperten, die bislang bestimmte Einschlagsszenarien nur in Computersimulationen studieren konnten, freuen sich schon auf ein wirkliches Anschauungsobjekt. Und die Planetary Society, der Welt größter Fanclub für Astroamateure, plant zahlreiche Aktionen, die vom Aufbau eines globalen Teleskopnetzes über Videoverbindungen in öffentliche Hörsäle bis hin zu einer großen Gala in Washington reichen. Dort soll dann gleich das 25jährige Jubiläum der ersten bemannten Mondlandung mitgefeiert werden, fällt doch dieser Jahrestag just mit dem Kometeneinschlag zusammen.

Daß der mit so viel Spannung erwartete Zusammenprall im All auch tatsächlich eintritt, dessen sind sich die Experten inzwischen "vollkommen sicher", wie die Astronomin Rita Schulz betont, die in Deutschland am meisten Beobachtungszeit akkumulieren konnte. Doch die entscheidende Frage ist auch nach großangelegten Computersimulationen und hitzigen Debatten noch ohne Antwort: Wie wird das Astrospektakel auf Jupiter tatsächlich ablaufen – und was wird man auf der Erde davon zu sehen bekommen?