Darf McDonalds statt Royal Cheese in Zukunft nur noch Fromage Royal servieren? Muß der Autoreisezug im Kanaltunnel von Le Shuttle auf La Navette umgetauft werden? Soll der Fernmeldemonopolist France Telecom seinen Namen wieder mit Akzenten schmücken? Bange Fragen treiben derzeit die französischen Manager um. Denn sie sind die wichtigste Zielgruppe des neuen Sprachengesetzes, mit dem der Kulturminister Jacques Toubon dem schändlichen Tage vom französischen Parlament verabschiedet. Künftig soll Schluß sein mit der "hinterlistigen Verbreitung des Anglo Amerikanischen", so der hochoffizielle Bericht der Kulturkommission der Nationalversammlung. Ob Arbeitswelt, öffentliche Räume, vor allem aber Werbung - fremde Worte sind laut dem Gesetzentwurf in Geschriebenem und Gesendetem strengstens verboten, solange es einen französischen Begriff dafür gibt. Wer sich dennoch in Fremdsprachen übt, der muß mit happigen Strafen rechnen: Ein falscher Begriff beispielsweise in einer Anzeige kostet fast 900 Mark. Ist ein solcher Text sogar ganz in einer Fremdsprache verfaßt, droht den Übeltätern das dreifache Bußgeld.

Damit die Sprachschänder ihrer gerechten Strafe nicht entkommen, hat Toubon zudem die Zahl der Zensoren vervielfacht: Nicht nur Polizisten, sondern auch Verbraucherschützer, Amtsärzte oder sogar private "Vereinigungen zur Verteidigung der französischen Sprache" dürfen Jagd auf Fremdworte machen.

Nicht, daß der eifrige Kulturminister keine Sympathie verdient hätte. Booster (verstärken), chen) - viele französische Manager gehen ihren Kollegen jnjjj, exzessivem Name droppingaufdie Nerven. Und weil die Aussprache meist stärk zu wünschen übrigläßt, machen sie sich auch noch lächerlich.

Doch es ist vor allem nicht einzusehen, warum ausländische Anbieter sich immer weniger die Mühe machen, ihre Gebrauchsanweisungen vernünftig zu übersetzen, etwa bei Elektronikimporten. Außerdem wirkt es reichlich aufgesetzt, daß einige französische Unternehmen intern nur noch in (gebrochenem) Englisch verkehren.

Aber den Firmen das Französisch praktisch mit dem Schlagstock einzubleuen - das geht selbst Mitgliedern der Regierungsmehrheit zu weit "Ich fürchte", meint etwa der rechtsliberale Abgeordnete Laurent Dominati, "das Gesetz erweckt in der ganzen Welt den Eindruck, daß Französisch eine belagerte, minoritäre Sprache geworden ist, die der Vergangenheit angehört "

Auch die Wirtschaft fürchtet Schlimmes. Vor allem die Werbeindustrie sieht sich einer wichtigen Waffe beraubt "Worte, genauso wie Produkte, müssen wettbewerbsfähig sein", meint Jean Luc Gronner, Chef des französischen Ablegers der Agentur DDBNeedham und verantwortlich für "Total Respect", den Slogan des französischen Softwarekonzerns Cap Gemini.

In der Sprache Voltaires hätten solche Sprüche einfach nicht die gleiche Wirkung: "Die Leute benutzen Englisch doch nicht aus Snobismus", erklärt Gronner, "sondern weil es eine klare, effiziente und zeitsparende Sprache ist - und damit eben wettbewerbsfähiger als Französisch " Bisher tricksten Gronner und seine Kollegen das alte Sprachgesetz aus, das bereits seit 1975 Fremdsprachen in der Werbung verbietet: Sie meldeten ihre Slogans einfach als Teil des Markennamens an. So hat der Computerbauer Apple heute ein Copyright auf "Power Macintosh" oder der Turnschuhhersteller Nike auf "Just do it!" Jetzt bleibt den Kreativen nur noch der Griff zum kürzlich erschienenen "Wörterbuch der offiziellen Begriffe der französischen Sprache", sozusagen die Bibel der Linguistic Correctness: dreihundert Seiten voller verbotener Fremdworte und ihrer französischen Übersetzungen - Ergebnis der Arbeit der Sprachkommissionen der Pariser Ministerien.