38 Jahre alt, Betreiber eines Kinder-Streichel-Zoos in Potsdam-Babelsberg

Um sechs stehe ich auf, setze Kaffee auf. Dann gehe ich in die Stallungen. Wenn die Tiere gefüttert sind, frühstücke ich. Angefangen haben wir 1991 mit zwei Ziegen und einem Pony. Inzwischen sind es vierzig Tiere. Beim Trakehner sind von Dressur und Springen die Gelenke hin. Der hat sich hier aber wieder gut rausgemacht. Der Braune war am Anfang ganz schön aggressiv, der war in einem zu engen Verschlag untergebracht worden, jetzt geht er schon viel besser.

Nach dem Kaffee wird die Koppel saubergemacht, da kommen dann unsere drei Pferde, vier Ponys und zwei Esel drauf. Ich stell’ jedem seinen Eimer hin, Hafer für den Trakehner, die anderen kriegen Äpfel. Man muß stehenbleiben und aufpassen, denn wenn die Schimmelstute fertig ist, versucht sie, die Ponys von ihren Eimern wegzudrängein.

Ich stamme aus einer Zirkusfamilie, war Fakir, habe außerdem mit meinem Onkel gearbeitet, der hat Raubtiere gehabt. Mit der Fakir-Schau waren wir in der DDR viel unterwegs. Feuerspeien oder die brennende Fackel in den Mund nehmen, das habe ich alles mit meiner Frau synchron gemacht. Beim Leitersprung auf die Scherben hat sie die Leiter gehalten. Und sie hat mit Schlangen gearbeitet. Dann kam die Wende. Erst wollten wir uns mit ’nem Zirkus selbständig machen, aber da sind so viele unterwegs. Da ist meine Frau auf die Idee mit dem Zoo gekommen.

Jeden Tag wird das Gelände von hinten nach vorn gefegt und geharkt, die Pferde werden gebürstet. Dann ist Mittag und schon wieder Zeit, die Ställe auszumisten. Das machen wir jeden Tag. Wenn Mist zu lange drinbleibt, fängt er an zu stinken. Wir wollen keinen Ärger mit den Nachbarn. Die meisten bringen uns ihre Kartoffelschalen und altes Brot.

Was wir noch haben? Phili, ’ne Mischung aus Pudel und Bologneser, Katzen, das Pfauenpärchen, Frettchen, Waschbären, Tauben, Federfußhühner, den Ganter "Napoleon", die Ziegen, unsere Hängebauchschweine und unsere Stachelschweine. Wir versuchen, alle Tiere pärchenweise zu halten, daß Nachwuchs kommt. Bis jetzt sind wir den immer losgeworden. Zwergkaninchen zum Beispiel an Kinder. Die kommen jeden Tag zum Füttern.

Gestern haben wir fünf Besucher gehabt. Es hat geregnet. Bei schönem Wetter und am Wochenende, da waren es schon mal 100 oder 120. Wir machen auch Kutschfahrten. Eintritt kostet eine Mark für Kinder, einsfünfzig für Erwachsene. Das ist wenig. Wir müssen das Futter bezahlen, wir wollen leben, die ganzen Versicherungen ... Aber die Kinder sollen es bezahlen können. Wir sind nur zu zweit. Ein Mann hilft sozusagen ehrenamtlich. Meine Frau arbeitet im Büro, damit wir das hier halten können.