Von Günther Nenning

Als der Entdecker Magellan an Feuerland vorbeisegelte, nannte er es so wegen der vielen Feuer, die, von den Eingeborenen angezündet, an der Küste; brannten; die desolate Hauptinsel nannte er "Desolaciön", Verzweiflung. Sei Magellan am Weißensee! Laß dir die vielen Feuerlilien flackern, die am Waldbrand so tieforange brennen wie sonst nirgendwo in den Alpen. Gleich lindert sich deine Verzweiflung, daß du keine Ferien mehr findest, die himmlisch sind statt touristisch.

Das Feuerlilienland liegt in Oberkärnten, hoch über Spittal an der Drau, auf fast tausend Metern, der höchste Badesee der Alpen. Wenn du das Thermometer richtig eintauchst, nach Art der Eingeborenen nur ganz knapp unter die sonnenwarme Oberfläche, kommst du auf 24 Grad.

Am Ostbecken des Sees gibt’s keine Straße und nur einen einzigen Fußsteig. Am Westbecken wohnen in vier winzigen Dörfern 750 Einheimische und freuen sich, weil hier eine halbe Million Gäste übernachten.

Jetzt ist es aber genug, der Weißensee soll ein Geheimtip bleiben. Den nahen Wörthersee kennt jeder, den Weißensee zum Glück nur eine – zum Unglück wachsende – Elite von natursinnigen Deutschen und ein paar treue Österreicher.

II.

Ich war schon als Kind hier in der Sommerfrische. Da führte noch, ein Weltwunder, die einzige Seebrücke der Alpen aus Holz, an der schmälsten Stelle über den See. Im Jahr ihres Abrisses, 1968, war sie 900 Jahre alt, gefügt aus eineinhalbtausend Lärchenstämmen, die immer wieder erneuert wurden.