Auf einem Feldweg bei Düren tat Alexander Solschenizyn 1974 neben Heinrich Böll die ersten gefilmten Schritte ins Zwangsexil. Nun kehrt er heim, vom fernen Osten Rußlands nach Moskau reisend, von der BBC exklusiv abgelichtet. Vermarkten läßt er sich am Ende. Doch im Westen ankommen wollte er nie.

In Amerika hat er in zwanzig Jahren Einsiedelei exemplarisch gelebt wie geschrieben: in der Tradition russischer Heiligenlegenden. Von dieser Welt waren nur seine künstlerische Macht und sein Mut, mit denen er Chruschtschows literarische Entstalinisierung durchfocht. Doch ebenso rigoros hielt Solschenizyn daran fest, westliche Ideen als Hauptgrund für die russische Misere anzusehen. Damit müßte er den neuen Nationalpatrioten eigentlich willkommen sein. Doch sie verdammen ihn heute: Sein Antikommunismus sei der erste Sargnagel für das Imperium gewesen. Tatsächlich hat er nie äußere Machtentfaltung gepredigt, sondern innere Einkehr zu mystifizierter Autokratie und Gläubigkeit. Sein Nationalismus war elitär – der neue ist chauvinistisch. So wird Solschenizyn, der nie Emigrant wurde, ein Eremit bleiben. Und als solcher in die Geschichte eingehen, von der er träumt. C. S. -H.