Von Les Daly

Viele Jahre lang entwarfen Robert Walzer und Phil Hymer, zwei clevere junge Elektroingenieure, Flugsimulatoren für Hughes Aircraft. Die Früchte ihrer Bemühungen, komplizierte, mit fortschrittlichster Technologie ausgestattete Maschinen, ermöglichten es den Kampfpiloten der amerikanischen Luftwaffe, Luftkämpfe zu trainieren, ohne jemals den Boden zu verlassen. Jüngst sind Hymer und Walzer jedoch mit einer neuen Aufgabe betraut worden: Sie sollen vergrößerte Videospiele entwerfen, bei denen sich Otto Normalverbraucher zum Luftkampf in ein Fluggerät setzen und – angeschnallt – per Bildschirm durch das Sonnensystem jetten kann.

Ihre neue Aufgabe macht Hymer und Walzer zu Beteiligten eines Abenteuers, das auch in der Wirklichkeit stattfindet und "Rüstungs-Konversion" genannt wird. Nun, da das Wettrüsten mehr und mehr Geschichte wird, ist die Industrie gezwungen, sich auf eine Wirtschaft in Friedenszeiten umzustellen. "Wer Kampfflugzeuge bauen kann, der kann auch Elektroautos bauen", lautet der einstimmige Ruf derer, die Konversion propagieren.

Die Manager und Führungskräfte der Rüstungsindustrie sind verwirrt und frustriert angesichts des Drucks, ihre Produktion quasi über Nacht umstellen zu müssen – auf was auch immer. Nachdem sie jahrzehntelang die besonderen Bedingungen der Regierung erfüllt haben, fehlt den Vertragspartnern der Militärs nun der Bezug zu den alltäglichen Bedürfnissen der Wirtschaft. Die Rüstungsindustrie, hervorgegangen aus einer Generation unternehmenslustiger Tüftler und lange Zeit isoliert, verfiel nämlich zum Teil in die gleichen Fehler, gegen die sie mit allen Kräften ankämpfte: Geheimniskrämerei, lähmende Regierungsbürokratie und Abschottung vom freien Markt.

Den Rüstungsbetrieben mangelt es im allgemeinen an "Kenntnissen in den Bereichen Verbraucherverhalten, Marketing, Vertrieb, Preisgestaltung und kaufmännischem Rechnen", schrieben 1992 Norman R. Augustine, Vorsitzender der Waffenschmiede Martin Marietta, und Kenneth L. Adelman, ehemaliger Leiter der Behörde für Rüstungskontrolle und Abrüstung. "Seminare über die Prinzipien des freien Marktes sind bitter nötig, wenn eine neue Unternehmenskultur entstehen soll." Die Führungskräfte amerikanischer Rüstungsbetriebe lachten selbstbewußt, als sie die Ausführungen lasen: Adelman und Augustine bezogen sich auf die ehemalige Sowjetunion, doch ihre Kommentare passen genausogut auf die amerikanische Rüstungsindustrie.

Nach Meinung von Rüstungskritikern könnte die Konversion zu einer wirtschaftlichen Aufbruchstimmung führen, ähnlich der nach dem Zweiten Weltkrieg, als Firmen von Alcoa bis Zenith die Produktion von Panzer- und Flugzeugteilen einstellten und statt dessen Amerikas Straßen und Haushalte mit Autos und Elektrogeräten füllten. Es wird jedoch gern übersehen, daß diese Firmen lediglich jene Märkte zurückeroberten, die sie bereits vor dem Krieg bedient hatten; die Nachkriegs-Konversion war vor allem eine Reversion. Heutzutage hingegen kennen sich die meisten Manager der Rüstungsindustrie nur mit militärischer Hardware und mit Regierungskunden aus. Sie können nicht konvertieren, weil sie auf nichts zurückgreifen können.

Darüber hinaus schuf ihre fünfzigjährige Zweckgemeinschaft mit dem Staat eine so tief verwurzelte Unternehmenskultur, daß diese Branche praktisch über kein anderes Know-how verfügt. Jedes größere amerikanische Rüstungsunternehmen beschäftigt ganze Kader militärischer Beamter auf ihrem Firmengelände. Dieses "Schattenmanagement" überprüft die Firmenoperationen mit peinlicher Genauigkeit.